»Es gibt ein Naturgesetz der Analogie, welches erklärt, daß alle Dinge, die das Universum vereinigt, zu derselben Familie gehören, daß sie durch die Verwandtschaft verbunden sind, welche die größte Mannigfaltigkeit individueller Unterschiede verträgt und selbst durch den Abstand der Extreme nicht aufgehoben wird.« Wenn wir diese Worte bis in ihre letzte Konsequenz begreifen, so ist damit das bisherige Akquisit der Philosophie erkannt. Sie belehren uns, wie wir den Intellekt gebrauchen sollen, um uns ein treffliches Bild vom Universum zu machen. Wenn alle Dinge verwandt, alle, ohne Ausnahme, Sprößlinge des Universums sind, so müssen doch auch der Geist und die Materie zwei Ellen Zeug von einem Stoffe sein; es darf auch der Unterschied zwischen dem menschlichen Erkennen und anderen menschlichen und natürlichen Funktionen zu keinem überschwenglichen, keinem extravaganten, keinem toto coelo-Unterschied aufgebauscht werden.

Philosophie nennt sich die Bemühung, den menschlichen Denkprozeß zu erhellen. Diese Arbeit ist unsagbar erschwert worden durch das unvermeidliche Mißverständnis der soeben beschriebenen universalen Verwandtschaft. Vor allem sollte, so verlangen die Überschwenglichen, das Denken und dessen Produkt, der Gedanke, nicht in die familiäre Physik, nicht in die physische Natur gehören, sondern das Geschöpf einer anderen Natur sein, welche den mysteriösen Namen Metaphysik führt.

Auch die Materialisten sind einseitig versessen auf ihre »Materie« wie die Idealisten auf ihre »Idee«. Streit und Zank ist Wirrsal, nur Friede bringt Licht. Der Gegensatz zwischen dem Materiellen und Ideellen findet in dem Akquisit der Philosophie seine Versöhnung, welche lehrt, daß wir in allen Unterscheidungen mäßig sein müssen, weil weder unser Denkinstrument, noch die anderweitige Natur zu extravaganten Unterschieden berechtigt. Um Licht in die Streitfrage zu bringen, bedarf es nur der Einsicht, daß die Ideen, welche die Natur in den Menschenköpfen entwickelt, wenn auch kein Material für unsere Hände, so doch ein Material für unsere Erkenntnis sind.

Stoffe, Kräfte, Ideen, Vorstellungen, Begriffe, Urteile, Schlüsse, Kenntnisse und Erkenntnisse wollen gemäß der Aufklärung, welche die Philosophie zutage förderte, als Verschiedenheiten oder Mannigfaltigkeiten einer monistischen Gattung erkannt sein. Die Verschiedenheit dieser Dinge widerspricht ebensowenig der Einheit, als die Einheit der Verschiedenheit widerspricht.

Um den Wurm und den Elefanten, das niedrigste und das höchste Tier, Vegetabilisches und Animalisches, Anorganisches und Organisches als Glieder einer Art oder Gattung verständnisinnig zu verbinden, ist die Allmählichkeit, die Stufenordnung der Natur, sind die Übergänge, die Mitteldinge und Mittelbegriffe vornehmlich zu beachten. Die Embryologie, welche zeigt, wie das animalische Leben des höchsten Tieres die Stufen der Tiergattung durchläuft, hat das Verständnis der gemeinschaftlichen Art aller Tiere besonders gefördert.

Was Darwin für die Tierwelt begreifen lehrte, daß es innerhalb derselben keine grundverschiedenen Arten gebe, lehrt die Philosophie in betreff des Kosmos. Die Erkenntnis des letzteren wird gehindert durch die Gewohnheit, zwischen Materie und Geist einen unmäßigen Unterschied zu machen.

Vorstehende Lehre erhält einen prägnanten Ausdruck im Titel des achten Abschnitts »Die Erkenntnis ist materiell«.

Gemäß der neueren Naturwissenschaft löst sich das ganze Dasein in Bewegung auf. So viel ist ohnehin längst bekannt und notorisch, daß selbst die Felsen nicht stillstehen, sondern immer in Tätigkeit, im Entstehen und Vergehen sind.

Die Erkenntnis, der Intellekt, ist ein tätiger Gegenstand, eine gegenständliche Tätigkeit, wie der Sonnenschein, wie der Wasserfluß, wie der wachsende Baum, wie der verwitternde Stein oder irgendein anderes Naturphänomen. Auch ist die Erkenntnis, ist das Denken, welches im Menschenkopf, gleichviel ob willkürlich oder unwillkürlich, vorgeht, eine Wahrnehmung, eine Wahrnehmung von ebenso unzweifelhafter Gewißheit, als die allermateriellste. Daß wir die erkennende, denkende, intellektuelle Tätigkeit durch den inneren Sinn und nicht durch den äußeren wahrnehmen, kann unsere Behauptung von der sinnlichen Wahrnehmbarkeit der Sache nicht im geringsten erschüttern. Ob der Stein äußerlich vorhanden und das Denken innerlich – was ändert diese kleine Differenz an der unverrückbaren Tatsache, daß beide Wahrnehmungen gleicher Art, und zwar sinnlicher Art sind? Warum soll nicht die Denktätigkeit mit der Herztätigkeit in dieselbe Kategorie gehören? Und wenn der Herzschlag auch ein innerer und der Zungenschlag der Nachtigall ein äußerer, was kann uns hindern, diese beiden so sehr differenten Schläge unter der höheren Einheit natürlicher oder materieller Vorgänge zusammenzufassen? Wenn also die Herzfunktion mit dem Namen einer materiellen beehrt werden darf, warum nicht die Hirnfunktion?[14]