22. September 1881.

So angenehm, wie unter guten Umständen das Leben in einem kleinen deutschen Landstädtchen ist, so heillos verpestet ist die Luft darin, wenn der »Kampf ums Dasein« gefordert wird.

Du schreibst, daß Du gern an das ideale Leben zurückdenkst, das Du hier geführt. Es wäre schade, wenn es anders wäre, doch auch schade, wenn eine krankhafte Sehnsucht Dir den Reiz der Gegenwart verkümmerte und Dein Streben erschlaffte. Muß gestehen, ich habe in diesem Punkte so etwas Furcht und Sorge um Dich und freue mich deshalb ungemein, wenn ich aus Deinen Briefen zuweilen sehen kann, daß Dein Gemüt heiter und Deine Stimmung durchgehends energisch ist. Sentimentale Augenblicke hat jeder. Du mußt Dir einmal klar vorstellen, worin der Reiz des hiesigen Lebens denn eigentlich besteht. Von den Leuten nach Herkommen, Stand und Aufführung gekannt zu sein und dadurch Achtung, Vorzug, Teilnahme und Entgegenkommen zu genießen, das ist gleichsam eine Würze des Lebens, die einen Pulsschlag hineinbringt, der gewiß nicht zu verachten ist. Aber solche Ingredienzien sind auch nur wirksam, wenn der Stoff gut ist, dem sie beigemischt werden. Um diesen Stoff zu erhalten – erhalten im Sinne von konservieren und erwerben – bist Du hinausgegangen, und wenn Du nun auch von der Würze einstweilen viel entbehren mußt, so sollst Du doch nicht verkennen, daß man, wenn nur der Lebensstoff gegeben ist, sich das andere auch anderswo leicht verschaffen kann.

25. November 1881.

Vivat der Stadtreisende! Soeben die briefliche Nachricht empfangen, daß sich Deine Andeutungen per Postkarte bestätigt haben.

Jetzt, lieber Junge, sind wir wieder alle auf dem Damm. Wenn man weiß zu erwerben, ist dies mehr wert als Vermögen.

Über den neuen Wirkungskreis, den Du errungen, freue ich mich noch mehr wie über die Gehaltsaufbesserung, doch ist auch letztere ganz erfreulich.

Was wird das für eine Freude sein, wenn Du einmal heimkehrst und wir uns alle wiedersehen! Das Schönste aber, was ich mir denken kann, ist, wenn Du uns alle mitnehmen kannst, ohne daß wir beladen sind mit einer ängstlichen Sorge um die Zukunft. Aber auch jetzt bin ich schon froh. Das Glück haben nicht viele Familien, daß sie stets zusammenbleiben können.