Das blutige Nordlicht, gewaltiger als je eins seit Menschengedenken, ist von vielen Lappländern beobachtet worden.

Dada hat das Fieber seit jener Nacht gepackt und liegt im Gasthofe zu Bett, wo er von einer Lappländerin gepflegt wird. Und diese erzählt ihm eines Tages vom Nordlicht und seiner Prophetie. Es kündigt einen Krieg an, in dessen weißglühenden Ring alle Völker der Erde nacheinander ihre Söhne hineinschmieden müssen, um sie in seiner unerlöschlichen Glut für ewig versinken zu sehen. Ein herrlicher Vorhang flammensprühend verbirgt wohltätig die Greuel denen, die warten, aber wenn ein Vorhang verzehrt ist, so stellt ein neuer noch herrlicher sich dar. Niemand vermag hineinzuspringen, die abscheulichen Gluten auszutreten oder die Geopferten ihnen zu entreißen. Hier wird Retter, Henker und Opfer eines und gleich. Diese Schrecken verkünden die prophetischen Falten des Nordlichts.

DIE URLAUTE.

Dada lernt die Sprache der Lappländer, um Zunge und Gehör in der Urform des Menschenwortes kindlicher Rassen zu binden.

In den Nächten des nassen, sturmumtobten Hammerfest sieht Dada die Grundlage einer Zukunftsdichtung, indem er die Sprachen alter Rassen nach Urworten und Lauten durchforscht, die Töne tausendjähriger Kindheit blumenhaft öffnen. Wie vordem die Urlaute der Kinder, versucht er jetzt die Urklänge der menschlichen Rassen in seinem System von Rhythmen zum schwingenden Rausche zu dichten, wie jener Ekstatiker in Là-bas die substilsten Sorten des Kognaks zu einer Symphonie des Kognak-Rausches. Vom wilden Lappen, Eskimo, Tschungusen nimmt Dada den Urlaut, und läßt ihn neu tönen in Dadas Wildheit, Trauer, Glück und Schmerz. Dada hebt die logische Sukzession der Worte in den Ursprachen der Fetischanbeter auf und sammelt ihre einzelnen Silben oder Laute, sperrt ihren beziehungsreichen Sinn in das Gefängnis seines nervös eilenden Rhythmus und senkt in ihre traurig gerupften Kelche die bleichen Leidenschaften des Urwalddurstigen verkrüppelten Europäers. Der Chinese, der Ägypter, der Druide sprachen durch Zeichen, die sie auf Seide, Stein oder Holz eingruben. Dada nimmt die gottgeweihten Zeichen, wiederholt sie auf mehreren Reihen des nervös fiebernden Rhythmus, um die Empfindung des Urlaute-denkenden Dada flüchtig schillernd auszudrücken.

In einem lappländischen Dorfe nahe der russischen Grenze findet Dada einen Dorfgötzen, vor dem er sich niederwirft, dann wieder aufrichtet, um von neuem niederzufallen. Mit schäumendem Munde betet Dada in den drei Urlauten einer Hymne, die zum Gegenstande die komplizierte Idee der sozialen Zielekstase hat. Das Dorf um ihn ist nichts weiter als die materielle Gestalt seiner Idee, der er in der Hymne den Ausdruck des Urlautes verleiht.

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Dada spricht: „Ich bin der Orient.“

Er reist durch Finnmarken nach St. Petersburg; er geht durch das Geschlinge aller Rassen und Sprachen und er bildet das Gehör zur äußersten Feinheit der Wahrnehmung, um die allertiefsten und allerfernsten Urklänge der lebenden Völker zu verstehen und zu besitzen.

Er betritt vom ersten Augenblick an jene Bahn, die jedermann wählt, wenn er weder Geld noch Beschützer besitzt, um zum Erfolge zu gelangen. Dada tritt in die berühmte Organisation der russischen Geheimpolizei. Er wird beauftragt, einer Reihe revolutionärer Klubs als ordentliches Mitglied anzugehören. Auf Grund gefälschter Zertifikate erlangt er Zutritt zu einer Reihe politischer Versammlungen, erwirbt sich Vertrauen und wird schnell berühmt auf Grund seiner persönlichen herkulischen Erscheinung, die an die Leibesfülle des Begründers russischen Terrors erinnert: Michail Bakunin. Dadas Vorname, bei dem ihn jetzt das Proletariat kennt, ist: Michail.