Auf einer Werbereise zu den Muschiks eines westlichen Gouvernements kommt der erfolgreiche Istrianer in einem Provinzstädtchen mit zwei Männern zusammen, die Bauern und Arbeiterschaft ihrer Bezirke in Bewegung gesetzt haben, ohne eine Kopeke von den Geldern des Zentralkomitees zu brauchen. Der eine ist Klavierlehrer, der andere Angestellter der Stadtdruckerei. Mit diesen beiden Männern gerät er in ein Gespräch über ein Ereignis, das ganz Rußland erschüttert. Ein junges Mädchen aus guter Familie, gut erzogen und von der Jugend der Charlotte Corday, hat einen General mit der Bombe getötet, weil er ein grausamer Gouverneur war. Dies Mädchen wird in der Untersuchungshaft von den überwachenden Offizieren vergewaltigt und am nackten Leibe gemartert. Sie löschten z. B. die Zigaretten auf ihrer Haut. Als sie vor ihren Richtern steht, erklärt sie, daß sie aus dem Leben wolle.
Eine düstere Tragödie folgt der anderen, diese glühenden Verfinsterungen einer Nation, in der die mechanische Cinéma-Kultur Europas sich mit den asiatischen Triebkräften zur ungeheuren Selbstzerstörung vermischen.
Dada sieht sich durch die Ochrana unheimlich verstrickt und weiter als je von Italias Freiheitssendung entfernt. Er schließt sich gequält den beiden Männern an, die eine für ihre Schicht ungewöhnliche politische Vernunft und kühne Rücksichtslosigkeit in der Verfolgung ihrer Ziele besitzen, außerdem lernt Dada in ihnen zwei Freunde jener Terroristin kennen. Mit ihnen geht der Istrianer auf die Straße, sie halten die Vorübergehenden an und erklären jedem einzeln ihre Ideen. Sie flüstern, versprechen geheimnisvoll, drohen, spotten — sie werben mit unbezwinglicher Überzeugungskraft. Die Polizei ist machtlos gegen sie.
Auch Dada glaubt an die Revolution, die Demokratie und Kindlichkeit der Völker. Er glaubt an das Werk der Freiheit. Er bittet seine Freunde, das erste große Werk sozial zielvoller Ekstase den Muschiks und Proletariern vortragen zu dürfen: „Das Nordlicht!“ und begründet: „Die Kindlichkeit neuer Demokratien erfordert eine ihr gemäße neue Urform des Ausdrucks und des Stils. Erst der kindliche Mensch ist der wahrhaft Freie! ein ausgelassener unbändiger Junge ist das Urbild der Freiheit!“
Seine Sätze brauche man nicht durch Kommas und Punkte eingeschachtelt zu hören, jedes seiner Worte sei ein Hauptwort, auf dem die Sonne der Urlandschaft sprieße. Jede seiner Empfindungen habe nur einen Ausdruck: Den o- oder aj-Ausruf, den Schmerz oder die Freude. Sein Wille kenne nur eine Wortform von substanziellstem Wert.
Vor dem gleichgültig rauchenden und trinkenden Publikum einer Arbeiterversammlung trägt Dada die Hymne des Nordlichts vor. Die Völker beider Welthälften erzählen selbst im eintönigen Chore von den Grausamkeiten, den Kriegen und den Kulten ihrer kindlichen Zeiten. Die Idole der Osterinsel, Perus und der grausamen Mexikaner erzählen ihre paradiesischen Feste und ihre schändlichsten Greuel, Madagaskar, Indien, und endlich jene untergegangene Atlantis, von der die lateinischen Neu-Republiken nur blasse Revenants sind, blühen urwaldblumenhaft in ihren wenigen gewaltigen Urlauten aus Dadas Rhythmen auf. Tänze, Prozessionen, Orgien, Fratzen, Götzen der alten Naturkulte leben magnetisch in einigen gelallten Silben Dadas, obgleich hier bereits die Grenzen des im Worte Darstellbaren erreicht werden. Diese Silben gleichen Kakteen oder Orchideen, die märchenhafte Systeme von Stacheln oder farbigen Blättern entfalten und mit ihren künstlichen Gebilden das Entzücken der Sammler oder ästhetischer Salons sind.
Dadas sozial zielvolle Dichtung ist ein archäologisches Museum der Seltsamkeiten des Völkerlebens, ein Erotikon und Folklore aller Geschlechtskulte. Die Menschheit eilt mit dem eintönigen Summen eines vielgeschäftigen Bienenstockes vorbei, ohne sich umzublicken, den Blick auf ihre erhabenen Idole geheftet. Immer auf dem Marsche nach Norden, immer von neuem ungeheuren Zuchtmitteln unterworfen, die aus Einöden entsprangen und die Erschlafften geißeln — durch die Kriege, Opfer, Brände, Seuchen, Untergänge wandeln die gleichmütig gereimten Hymnen Dadas, um endlich das Nordlicht anzubeten und aus seinen glühenden Falten die kalte Prophetie Europas zu empfangen. Dada verkündet die Zertrümmerung dieses Erdteils, und nach Niederlegung all seines Menschen- und Pflanzenwuchses den Triumph der Polarwüste über die verworfenen Reiche, den Sieg des Nordlichts!
Seine Vorlesung schließt Dada mit dem Ausruf: „Betragt euch kindlich, so fühlt ihr euch frei und ihr seid es auch!“
Eine drückende Stille liegt auf den Zuhörern. Die beiden Freunde fassen Dada an den Armen und zwingen den bequemen herkulischen Italiener aufzustehen und mit ihnen die Versammlung zu verlassen.
Seit einiger Zeit ist Dada verdächtig des Einverständnisses mit der Polizei, und bei seiner ungewöhnlichen Vorlesung, die mit sämtlichen Perversitäten der bürgerlichen Gesellschaft aller Völker spielte, haben die Freunde das stärkste Mißtrauen der Versammlung bemerkt. Selbst die Freunde haben Dadas Werk nicht verstanden, das auf das Erscheinen irgendeines neuen bürgerlichen Ssanin hinaus zu gehen schien, der auf Kosten der Arbeiter einem Geschlechtskulte im Zeichen des Nordlichts sich hingeben wird. Ein Jahr hat Dada in Rußland verbracht, ohne seine Aufgabe, die Freiheit auch diesem gequälten Lande zu bringen, erfüllt zu haben, diesem mißtrauischen, bis auf die Wurzeln verdorbenen Volke, das in dem Bewußtsein ständiger Gefahr von Umsturz und Empörung sich dem Rausche ergeben hat, erregt von einer tief fressenden, stets sprungbereiten tierischen Sexualität. Ihre Freiheitsideen verdammt Dada im selben Maße wie ihren Fortschritt vom Stumpfsinn des Mir zum Cinéma und zum Alkohol.