»Heernse Müller —« sagt der Hauptmann einer Compagnie — seines Zeichens sonst Advocat und deshalb etwas streng im Dienst, zu einem Gardisten, der in einer Hand das Gewehr, in der andern ein Paar dick mit Senf bestrichene Wiener Würste mit Semmeln hält »das nehm’s Se mer aber nich ibel — komm’n Se gar mit den Würsten in der Hand ins Glied geloofen, da heert doch alles uff!«

Der Angeredete hat mittlerweile zwei so riesige Bissen von den Würsten und der Semmel genommen, daß er — im Begriffe zu antworten — ein Stück Wurst in die unrechte Kehle kriegt; er verdreht schrecklich die Augen, so daß ihm sein Rottenmann freundschaftlich und hilfreich wiederholt ins Kreuz pufft, worauf ihm ein kräftiger Hustenanfall wieder die zur Existenz nothwendige Luft verschafft.

»De Schinderei is zu arg« murmelte er pustend, »nich ä mal seine beeden Würstchen gann mer in Ruhe verzehr’n!«

»Müller! Wenn Se nu de Würste nich gleich verschwinden lassen, zeige ich Sie an und sie kriegen ä baar Strafwachen!« raisonnirt der Hauptmann weiter.

»Herrjeh — wo soll ich se hinthun — ich gann se doch nich ins Gras schmeißen?«

»Weeßt De, Emil«, flüsterte ihm sein Hintermann zu, »steck se in de Patrontasche!«

»Du — da hast De Recht!« Erfreut öffnet Müller die Tasche, da sieht er die Platzpatronen.

»Nee —« sagt er weiter, »das geht nich — die heeßen Wärschte und das Pulver — wenn nachher die Geschichte losginge — — —« und mit heroischem Entschluß schenkt er die trockne Semmel einem hinter der Front stehenden Knaben und schiebt dann mit einem Mal den Rest der beiden Würstchen in den Mund. — — —

Das Exerciren beginnt und stolz und staunend sehen die Familienglieder, wie ihr Gatte und Vater im Schweiße seines Angesichtes rechts und links um macht, schwenkt und aufmarschirt.

»I du meine Gite!« sagte Frau Schulze zur Frau Meier. »Sehen Se blos — se laden werklich de Gewehre — wenn nur meiner nischt neinthut in seine Flinte, denn der hat allemal Malheur damit — un losgehn thut se doch nicht!«