Die muthigen Gardisten bereiten sich nun auf Befehl des Commandeurs zum Sturm auf die am oberen Wege beim Eingang von Gohlis sitzende alte Obstfrau vor. Die Plänkler rennen im soliden Hundeträppchen vor die Front und zeigen durch allerhand schreckliche Geberden mit der guten alten Flinte einem unsichtbaren Feind an, daß sie ihm mit der ganzen Tapferkeit alter schlachtergrauter Germanen an den Kragen gehen wollen; die Musik fällt rauschend ein, was die Courage der Plänkerer sichtlich erhöht, die Tamboure wirbeln — die Bajonette senken sich —

»Zur Seite Gewehr! — Vorwärts — Laufschritt — Hurrah! — — Haalt! — — Legt an! — Feuer!« — — Prasselnd krachen die Schüsse aus den Gewehren und der angenehme Geruch des Pulverdampfes steigt kitzelnd und erhebend in die Nasen der tapferen Gardisten und macht ihren Busen in Kampfesmuth schwellen.

»Heite sin wenigstens die Hälfte Gewehre losgegangen«, sagt die alte Pauline, die obenerwähnte Obstfrau, welche die Leistungen der Truppe infolge langjähriger Beobachtungen gleich einem Commandanten zu beurtheilen vermochte, »so scheene fällts nich allemal aus!« — — —

Die kriegerischen Uebungen neigen sich ihrem Ende zu. Die Compagnien nehmen am oberen Wege Aufstellung mit der Front nach den Zelten. Der Commandant reitet auf die linke Seite in der Mitte der Entfernung zwischen Garde und Zelten. Der Schlußactus des Exercirens, der Vorbeimarsch in Compagnien, in Parade vor dem Commandeur, beginnt.

»Das mer Alles mit dem linken Beene antritt un nich wieder welche mit’n rechten, wie’s letzte Mal Viele, und der rechte Flügel immer e Bischen eingezogen marschirt, die uff’n linken Flügel ham nich solche lange Beene wie Sie, meine Herrn von rechts, un bleiben sonst zurück! Herr Leitnant Krause, wenn die Compagnie vor uns sich in Bewegung setzt, zählen Sie recht laut die Schritte; das Defilliren is mit dreißig Schritt Abstand befohlen! — Passen Se also ja gut uff!«

Die Abtheilung der Trommler schlägt ein und schreitet vorwärts, hinter ihr folgt die Musik.

»Bum!« schlägt die große Trommel an und mit einem kriegerischen Marsch fällt die Musik ein.

»Erste Compagnie zum Defiliren in offener Colonne! Vorwärts, Marsch!«

»Eins — Zwei — Drei — Vier — Fünf — Sechs!«, zählt der diensteifrige Lieutenant.

»Kinder, paßt gut uff!« ruft der Hauptmann.