Er taumelte hinterrücks, bis er einen Stuhl fand, auf den er hilflos und total vernichtet sank.

»Bezahlen? — — Bezahlen?« Er zählte im Geiste seine gesammten Moneten — ach — die langten ja kaum zu einer Portion Wellfleisch im Gerichtsamt III. »Bezahlen? Bezahlen?«

»Ja freilich! — Sie haben zusammen 2 Flaschen Champagner à 4 Thaler, macht 8 Thaler; 4 Flaschen Wein à 1½ Thaler, macht 6 Thaler, und 11 Glas Schlummerpunsch à 8 gute Groschen, zusammen 17 Thaler 20 Neugroschen!«

»Siebzehn Thaler — — —« ächzte der plötzlich Entnüchterte, »ja ich habe ja gar kein Geld!«

Rosa holte, sich das Lachen verbeißend, den Wirth, dem der aus allen seinen Himmeln Gestürzte seinen Namen und sein Amt sagen mußte.

»Na da geh’n Sie nur«, meinte derselbe, als ihm der Unglückliche jammernd seine Schicksale berichtete, »hoffentlich bezahlt Herr X., sonst muß ich mich freilich an Sie halten.«

Halb betäubt von der Wucht seiner Erfahrungen, wankte der getäuschte Vertreter der Nemesis ins Gerichtsamt, ach — um dort zu erfahren wie sich auch noch seine heimliche Hoffnung darauf, daß X. wenigstens wieder allein in die Haft zurückgekehrt wäre, als eine trügerische beweisen sollte. Jetzt erst erkannte er die ganze Größe des ihm gespielten Streiches und zitterte vor den Folgen desselben. — Glücklicherweise waren dieselben gelinder als er dachte. X. bezahlte nicht nur die gemachte Zeche, sondern auch den Wechselgläubiger diesmal ziemlich schnell und der gute Amtsdiener kam daher mit einer allerdings »rüsselhaften Nase« davon.

Als er aber dieselbe in devotester Stellung in Empfang genommen hatte und aus dem Amtszimmer seines Vorgesetzten wieder hinaus auf den Corridor trat, erhob er alle 10 Finger zum Schwure in die Luft und gelobte sich feierlich — nie wieder einem zum Spaziergang ausgeführten Arrestanten zu trauen — vor Allem aber nie einem Schauspieler — »denn da is mer alle Mal der Gemachte« schloß er stets, wenn er einmal im Kreise gleichgesinnter Freunde diese seine Abenteuer vortrug.

XXVIII.
Der Verbrechertisch in der »Guten Quelle«.

Nach der gewaltsamen Niederwerfung des Volksaufstandes von 1849 begann im politischen Leben unseres Vaterlandes eine lange trübe Zeit.