Wird aber in Leipzigs Geschichte überhaupt der edlen Turnerei und speciell der freiwilligen Feuerwehren gedacht, so kann dies unmöglich geschehen, ohne dabei auch eines Mannes zu gedenken, der — jetzt ein Veteran derselben — doch noch immer geistig und frisch in Mitten derselben steht, dessen Verdienste um das Turn- und Feuerlöschwesen — in welch Letzterem er eine ganze Reihe noch jetzt als praktisch bewährte Einrichtungen erfand — bedeutende sind und der unzählige Male mit Wort und Schrift für dasselbe begeistert und viele Andere begeisternd eintrat und wahrhaft unermüdlich wirkte. Es ist dies der Kaufmann und Turngeräthefabrikant Herr Oswald Faber in Leipzig,[2] dessen Bild als Zugführer der Turnerfeuerwehr wir auf dem Titelblatt und im Text unsres Heftes VI bringen. In wahrhafter Bescheidenheit hat er sich stets allen Ovationen für seine Thätigkeit entzogen, ihm gebührt ein Ehrenplatz in dieser Chronik unsres Leipzigs.

[1] Nach Oswald Fabers »Die freiwilligen Feuerwehren,« 3. Auflage.

[2] Mit seiner Concurrenzarbeit »Ueber Organisation von Dorf-Feuerwehren« mit der großen silbernen Medaille der k. k. österreich. Regierung prämirt im Juli 1870 auf dem 8. deutschen Feuerwehrtag zu Linz.

C. Die Rettungscompagnie.

Die Leipziger freiwillige Rettungscompagnie, welche neben der städtischen und der Turnerfeuerwehr bestand, rekrutirte sich aus Leipziger Bürgern und Einwohnern von den besten Gesellschaftsklassen herab bis zum Arbeiterstande. Ein sehr großer Theil derselben waren ebenfalls noch aktive oder doch frühere Turner. Die Compagnie, deren Zusammensetzung, Ziele u. s. w. so ziemlich dieselben waren, wie die der Turnerfeuerwehr, wich an der Bekleidung insofern von der Turnerfeuerwehr ab, als sie dunklere, schwarzgraue Blousen mit dem auf die Brustseite angestepptem R. C. trug. Obwohl die Mitglieder derselben ebenfalls zum Spritzen- und Steigerdienst vollständig ausgebildet waren und ihre eigene vom Rath beschaffte Spritze besaßen, war ihr Augenmerk doch in erster Linie, wie schon ihr Name sagt, auf das Rettungswerk von Personen und beweglichem Besitzthum gerichtet. Die Rettungscompagnie, welche eine Stärke von etwa 100 Mann besaß, wechselte mit der Turnerfeuerwehr behufs Besetzung der Wache im Brühl dergestalt ab, daß sie, nachdem die 15 tägigen Wachtposten der Turnerfeuerwehr beendet waren, ihrerseits nun während 9 Tagen die Wache besetzte, worauf wieder der Turnus der ersteren begann. Auch die Rettungscompagnie nahm an der Tilgung aller Brände während der Zeit ihres Bestehens mit gleicher Bravour und großer Pflichttreue und Erfolg Theil und hielt — kleine Häkeleien dann und wann ausgenommen — mit der Turnerfeuerwehr treue Kameradschaft. Aber dieselben Gründe, welche schon 1871 eine freiwillige Auflösung der Turnerfeuerwehr herbeiführten, führten auch obwohl mehr als ein Jahrzehnt später ihre freiwillige Auflösung herbei. Dieselbe erfolgte am 31. Dezember 1886. Bei dem Abschiedscommers im alten Schützenhause am Abend des 31. December wurde die gesammte Mannschaft zur Tilgung eines größeren Feuers nach Reudnitz commandirt. Commandanten der Rettungscompagnie waren nach einander:

Kaufmann Rudolf Gruner (s. Bericht an den Rath vom 5. August 1842).

Advokat (späterer Stadtrath) Schilling vom 5. April 1851 (ausgetreten am 1. Februar 1862).

Eisengießereibesitzer Gustav Götz vom 12. Februar 1862 (ausgetreten am 17. Februar 1870).

Kaufmann Hermann Meister, vom 23. Februar 1870; (vom 1. Juni 1875 städt. Branddirektor).

Zimmermeister Aug. Kersten (vom 5. Juni 1875, gest. im August 1883).