Baumeister W. Rob. Rost (vom 12. Oktober 1883 bis zur Auflösung der Compagnie am 31. Dezember 1886).
Beide Corporationen wurden vielen Hunderten freiwilliger Feuerwehren in ganz Deutschland zum Vorbild, sie nahmen unter allen derselben den ältesten und berechtigsten Vorrang ein und wenn jetzt noch das — namentlich für kleinere und mittlere Gemeinden von so außerordentlich wichtigen, werthvollen und mit verhältnißmäßig geringem Kostenaufwande verbunden — freiwillige Feuerlöschwesen in so hoher Blüthe steht, so fällt ein guter Theil des Bewußtseins, wesentlich hierzu beigetragen zu haben, auf die ehemalige freiwillige Feuerwehr zu Leipzig.
XXXIII.
Auf der Wache der Turnerfeuerwehr.
Das Wachtlokal der Turnerfeuerwehr und Rettungscompagnie befand sich bis zur Auflösung beider Corporationen im Brühl, Ecke der Göthestraße, damalige städt. Fleischhallen und zwar in ursprünglich zum Verkaufsgewölbe eingerichteten Räumen. Groß war dasselbe nicht und von übermäßigem Comfort war darin keine Rede. Im Hintergrund des ziemlich tiefen, aber nicht sehr breiten Lokals befanden sich nebeneinander die »Pfefferkuchen« vulgo »Matratzen« auf den Holzpritschen, auf denen des Schlafes bedürftige Wachtmannschaften sich ausstrecken und der Ruhe pflegen konnten, falls sie nicht die »Wache« hatten oder gar die Wache allarmirt wurde. Ein einfacher großer Holztisch und mehrere Stühle, eine Stechuhr zur Controlle der Wachthabenden, an den Wänden Pflöcke und Kleiderhalter und eine alte Wanduhr, dies war die ganze Einrichtung der »freiwilligen Wache.« Das Allarmiren nun ging früher, ehe die Wachtlokale mit der Polizeiwache telegraphisch verbunden waren, allerdings nicht ohne wirklichen Allarm vor sich. Da stürmten die Feuerglocken von den Thürmen, die Trommeln der Communalgarden rasselten durch die Straßen und die Feuersignale ertönten aus den Hörnern der Signalisten der Garnison und bei Nacht erschollen in diesen Chaos von Tönen noch der dumpfe Ton der Nachtwächterhörner, feuerrufende Menschen rannten durch die Straßen und von allen Seiten jagten Spritzen und Zubringer, Sturmfässer und Geräthewagen dem Ziele zu, welches von den Thürmern durch Herausstecken von Fahnen oder bei Nacht von Laternen als die Gegend, in welcher das Feuer ausgebrochen war, angedeutet wurde. Die zuerst am Brandplatz ankommende Spritze wurde prämiirt und diese Prämie haben sich die beiden freiwilligen Corps oft genug errungen. Waren doch ihre Mannschaften mit Leib und Seele bei der Sache und trotz des meist heiteren, geselligen Lebens, welches sich stets auf diesen Wachen entwickelte, stand dieselbe stets auf dem Sprunge, ihre übernommenen Pflichten auch voll und ganz auszuführen. Daß hierbei einige Mal sogar ein Uebereifer zu Tage trat, ist wohl entschuldbar. So hatten junge Mannschaften des 2. Zuges, die sich Nummer und Farbe ihrer Spritze noch nicht genau eingeprägt hatten, einst das Malheur, bei Feuerlärm einst am hellen Tage, statt ihrer Spritze, die der Rettungscompagnie aus dem gemeinschaftlichen Depôt an der ersten Bürgerschule zu ziehen und mit Unterstützung einiger hilfsbereiter Lehrbuben und Gesellen im vollen Lauf nach der Brandstelle zu fahren und dort in Thätigkeit zu setzen. Und — welche Freude! — ihre Spritze war die erste am Platze und erhielt die Prämie! — Aber — welche Enttäuschung, welche Spötteleien und gegenseitigen Vorwürfe, als das Versehen erkannt wurde und nun die Prämie der Rettungscompagnie zufiel! —
Beim Commers, nach Legung des Grundsteines zum Denkmal für die Völkerschlacht (Anno 1863 — Gott weiß, wann das Denkmal selbst erbaut wird) sang die Turnerfeuerwehr:
Wir und die Rettungscompagnie —
Sahn oftmals uns kaum an
Und dennoch hatten wir uns nie
Etwas zu Leid gethan.
Woraus der Streit entstanden war,