Der Freiherr verbeugte sich steif und nicht mehr als nötig, machte kehrt und ging.

„Beyme!“ rief der König, und der kleine Kabinettsrat kugelte aus dem Nebenzimmer herein, den Brief Blüchers und das Antwortschreiben in der Hand.

„Hergeben!“ sagte der König und setzte sich an den Schreibtisch.

Er ließ sich den Antwortsentwurf von Beyme vortragen, nahm dann, ohne ein Wort des Beifalls oder Mißfallens zu äußern, Blüchers Brief vom Schreibtisch und las ihn, noch einmal prüfend, durch.

Der General schrieb unter anderem:

„aufgefordert durch die täglich immer bedenklichere Lage und gefährlicher werdenden Schritte, welche Frankreich sich in militärischer Rücksicht hier gegen Eurer Königl. Majestät Grenzen erlaubt, muß ich endlich mein Herz zu Füßen des Königs, meines Herrn, ausschütten; muß ich als treuer und grau gewordener Diener von Höchstdero erhabenem Hause meine Ansichten unserer Lage Frankreich gegenüber zum ersten und zum letzten Male Euer Majestät zu Füßen legen. – – – – – Frankreich meint es mit keiner Puissance redlich und gut, am allerwenigsten mit Euer Königl. Majestät, als der einzigen Macht, die seinem Eroberungs- und Unterjochungssystem in Deutschland noch allein im Wege steht. Es verbirgt sogar seine Ansicht nicht; denn wenngleich es mitunter süße Vorspiegelungen macht, so widersprechen alle seine Handlungen gegen Eure Majestät diesen geradezu. Die Invasion von Hannover, der letzte gewaltsame Durchmarsch durchs Ansbachsche, und die räuberische Besetzung von Essen und Werden, sowie der ganze arrogante Ton, den der französische Monarch sich erlaubt, beweisen Euer Königl. Majestät mehr als genug, was ich zuvor gesagt habe. Alle [pg 117]treuen Untertanen Eurer Königl. Majestät, alle echten Preußen, und die Armee besonders, haben das Herabwürdigende dieser französischen Demarchen tief empfunden, und fühlen es noch, und alles wünscht die gekränkte Nationalehre bald – recht bald – blutig zu rächen.

Wer das Betragen Euer Königlichen Majestät aus einem anderen Gesichtspunkt darstellt – –“

Der König sah bei diesem Passus vom Briefe auf und blickte Beyme lange an. Dann las er weiter:

„– – wer Eurer Königlichen Majestät zu fortwährendem Nachgeben, zum Frieden mit dieser Nation rät, der ist entweder sehr, sehr gutmütig, sehr kurzsichtig, oder er ist mit französischem Golde gekauft –“

Hier unterbrach der König das Lesen und warf den Brief auf den Tisch. Er nahm dann das Antwortschreiben Beymes aus dessen Händen entgegen, zerriß es, ohne es zu lesen, langsam und bedächtig, zum Entsetzen des Kabinettsrats und ließ die Fetzen in den Papierkorb fallen.