„Wollen dem verdienten General nicht seine soldatische Offenheit strafen! Wollen aber auch ihm keine unerbetene Einmischung verstatten – ziehen es vor, ihn ohne Antwort zu lassen.“
Beyme verbeugte sich schweigend.
„Hörte Er vorhin, was der Freiherr vom Stein Uns zu erzählen wußte?“
„Der Baron war sehr laut – –“
„Er hat Uns seinen Abschied nahegelegt!“
Der König blickte Beyme fragend an. Und dieser glaubte aus der veränderten Absicht des Königs dem General Blücher gegenüber schließen zu dürfen, daß er doch nicht mehr so unempfindlich gegen die Vorstellungen Steins war, wie vorhin. Er fand es also klüger, einzulenken und demnach zu raten.
„Der Freiherr verdient zweifelsohne eine Maßregelung ob seines dreisten Tones“, sagte er zögernd. „Er hat aber im Amte viel Eifer und Tüchtigkeit bewiesen. Will er jetzt zurücktreten, so tut er es nur, um sich der Verantwortung [pg 118]zu entziehen – wenn das Unglück, das er prophezeit, wirklich eintreten sollte! Und da verdient er eben seinen Abschied nicht zu bekommen!“
Der König merkte wohl, worauf sein lieber Beyme hinauswollte, sagte aber nichts, sondern blieb sitzen wie vorhin und blickte geradeaus.
Ein Minister, der mit seinem Rücktritt drohte – das war ihm neu!
Sonst pflegten diese Herren an ihren Ämtern zu kleben. Neun Zehntel ihres Strebens ging darauf aus, sich die Gunst zu erhalten. Sie waren fleißig, enthielten sich eines jeden Widerspruchs, machten ihre Dummheiten mit größter Diskretion, glatt, delikat unter Wahrung der Form, blieben trotz etwaiger Fußtritte auf ihrem Platz, maßten sich keine Verantwortung zu, die ihnen nicht zukam, und belästigten niemals mit Ansichten und unerbetenen Ratschlägen!