Phulls Strategie ging von der Lage der Magazine aus, hatte sich eins von diesen Magenzentren ausstrahlendes „Radialsystem“ zurechtgelegt und kam darüber nicht hinaus.

Massenbach wiederum klebte am Terrain und vergaß darüber die Truppe.

Wogegen Scharnhorst, mit sicherer Intuition für die Bedeutung der Individualität und deren Schulung, alles darauf legte, offene Augen, einen klaren Kopf und schnelle Entschlußfähigkeit zu schaffen, diese durch kriegsgeschichtliche Studien zu fördern und so einen Stab um sich zu scharen, der, von keiner vorgefaßten Theorie behindert, jeder der tausend wechselnden Situationen im Kriege gerecht werden konnte.

Diese drei Systeme führten miteinander Krieg und führten ihn so mit dem Feind.

Der kleine, oberflächliche und verbindliche Minister des Äußeren, Graf Haugwitz, chevaleresk, hinterhältig, glatt, poliert und leichtfertig wie immer, war auch dabei. Ihm zur Seite sein Adlatus, der frühere Botschafter in Paris, Marquis Luchesini. Der Diplomatie dieses Braven verdankte Preußen den Pariser Vertrag, durch den es zum Vasallenstaat Napoleons degradiert werden sollte.

Anwesend war ferner, wenn auch ohne Sitz und Stimme im Kriegsrat, die rechte Hand des Königs, der Kabinettsrat Lombard, der einflußreichste Mann am Hofe und im Lande verhaßt wie kein zweiter.

In einer Zeit, in der die Friseure als Anekdotenerzähler und Neuigkeitskrämer ebenso geschätzt waren wie als Künstler, und ihre vornehmste Obliegenheit die war: der feinen Welt die letzte Tournure zu geben – da waren es nur Leute von Esprit, Witz und tadellosen Manieren, die es auf dieser [pg 126]Laufbahn zu etwas bringen konnten. Sie waren gewissermaßen Hüter und Träger des guten Geschmacks und dessen berufenste Vertreter und waren in Reinkultur, was der hohe Adel erst durch die Kunst ihrer Hände wurde. Sie fertigten die mondäne Attrappe an, die den Inhalt, das übliche sündige Fleisch und Blut, mit Anstand verdeckte.

Als Sohn eines Perückenmachers hatte Lombard also in dieser Beziehung Ahnen erster Güte, auf die er sich berufen konnte. – Er war auch wohlgebildet, gefällig, weltmännisch geschliffen, aalglatt und falsch, von der Überlegenheit der französischen Kultur vollkommen überzeugt, und also auch der eifrigste Verfechter einer franzosenfreundlichen Politik. – Er war Träger der Tradition von der Unumstößlichkeit und Machtvollkommenheit einer Kabinettsregierung, wie sie am preußischen Hofe noch in Reinkultur bestand. – Er war ohne Ministerportefeuille mächtiger als sämtliche Minister der drei Könige, denen er gedient hatte, und war ohne Sitz und Stimme in der Regierung doch maßgebend, weil stets in persönlicher Berührung mit dem König.

Des weiteren nahmen an der Beratung teil: der würdige General von Köckritz, der Generaladjutant Oberst von Kleist, und eine Unzahl Räte und Schreibersleute!

Prinz Louis Ferdinand war nicht einmal als Zuhörer geladen und wartete mit Blücher im Quartier des Generals von Rüchel auf Nachricht vom Verlauf der Konferenz.