„Gensau,“ sagte Rüchel, „von dem hörte ich eben ein entzückendes Geschichtchen, als ich vorgestern meine Armee verließ, um zum Kriegsrat hierherzukommen. Die Geschichte ist charakteristisch für das System und büßt nichts dadurch ein, daß sie wahr ist. Ich stieß nämlich plötzlich mit dem alten ‚Isegrim‘, Yorck, zusammen. Hoheit kennen ihn? – Nein?! – Klein, dürr, knarrig, Querkopf erster Güte, sieht überdies aus wie eine schlechte Karikatur vom Alten Fritzen! – Er stand also da und schimpfte und fluchte und wetterte über die Schweinewirtschaft im Generalstabe, über die Kopflosigkeit und die Unordnung und die Liederlichkeit bei der Quartiermachung, kurz über Gott und alle Welt!
‚Da steh’ ich,‘ sagte er, ‚und glaube nach beendigtem Tagesmarsch meine wohlverdiente Ruhe haben zu können, und plötzlich meldet sich zu nachtschlafender Zeit einer meiner Offiziere bei mir.
‚Was will Er?‘ hab’ ich gefragt. ‚Meldung vom feindlichen Anrücken?‘
‚Zu Befehl, nichts vom Feind zu sehen!‘
‚Was treibt Er sich denn herum? Hat Er nicht seine Befehle?‘ frage ich.
‚Zu Befehl, die hab’ ich!‘ sagte er. ‚Ich habe Order Quartiere zu beziehen. – Wir finden aber die Quartiere nicht!‘
‚Soll ich Ihm helfen?‘ frage ich. ‚Hat ein Oberst und Regimentskommandeur nichts Wichtigeres zu tun, als Kinderfrauendienst bei den Majors und Leutnants zu versehen? Wo ist Sein Quartierzettel? Zeige Er her!‘
Und ich nehme den Zettel und lese ihn vor, denn da stand deutlich und klar der Name des Dorfes, wo er Quartier nehmen sollte. Und ich wasche ihm noch gründlich den Kopf und werfe ihm den Wisch wieder hin.
Da sagt er ganz ruhig: ‚Lesen kann ich auch! Und was drauf auf dem Zettel steht, weiß ich ebensogut zu deuten, wie der Herr Oberst selbst. Aber mit Erlaubnis zu sagen – ich möchte das Dorf nicht nur angewiesen haben, ich möchte es auch tatsächlich haben!‘
Das ging denn doch zu weit. – ‚Soll ich Ihm den Weg zeigen? Schere Er sich! Was zum Kuckuck behelligt Er mich mit dergleichen?‘ schreie ich ihn an und kriege einen roten Kopf und gebe ihm noch einmal einen Denkzettel, der sich gewaschen hat.