Da, wo er hinkam, war aber nichts zu sehen. Einige Leute wollten Franzosen auf den Bergen um die Stadt herum bemerkt haben. Und da der Fürst, bei näherem Nachsehen, ein paar Uniformen zwischen den Büschen dort oben bemerkte, so schickte er Patrouillen hinauf, um nach dem Rechten zu sehen.

Sie kamen zurück und brachten als Gefangene – einige Verwundete von der bei Saalfeld versprengten Division des Prinzen Louis Ferdinand mit, die weder in Lazaretten noch in Bürgerhäusern Unterkunft gefunden hatten, die auch, wie fast die ganze durch Gewaltmärsche gehetzte Hohenlohesche Armee, in den letzten drei Tagen nichts gegessen hatten und nun, um ihren Hunger zu stillen, dort oben in den Feldern nach Kartoffeln gruben. Für ihre Entbehrungen hatte ja auch die bekanntlich pünktlich waltende Nemesis der Weltgeschichte den Fürsten durch ebenso häufige Störungen seiner Mahlzeiten gestraft, da ja er die Verantwortung zu tragen hatte und sein Generalquartiermeister nur zu sündigen brauchte!

Diese armen Leute waren es, die den Schrecken über Stadt und Land losgelassen und so vielen tapferen Leuten eine schmähliche Niederlage bereitet hatten.

Ein paar Hasenfüße von der Straße hatten sie gesehen und „die Franzosen kommen!“ geschrien. Und gleich war der Teufel los, Lärm wurde geschlagen, Besinnung, Mut und Ordnung waren hin, und eine Schlacht ging verloren, in der es nur Besiegte, aber keinen Angreifer und also auch keinen Sieger gab!

Der Fürst kehrte an der Spitze seiner Tapferen in die Stadt zurück, befahl die ineinandergefahrene Artillerie auseinanderzubringen und die Fahrer, die die Stränge durchgeschnitten hatten und geflohen waren, festzunehmen und [pg 143]mit aller Strenge der Kriegsgesetze zu bestrafen – eine Aufgabe, die die sächsische Generalität gütigst übernahm und auch pünktlich – – bis auf die Bestrafung – durchführte!

So konnte sich der Fürst endlich wieder zu Tisch setzen und in den inzwischen bei der Verwirrung gründlich geleerten Schüsseln Nachschau halten. Viel fand er nicht mehr vor, die Forellen waren längst in andere Gewässer hineingeschwommen, die Lakaien hatten vor Schrecken in ihren Verstecken weder sehen noch hören können, und der Herr Generalquartiermeister war auf die Berge geklettert, um das Lager auszustecken, das noch vor Sonnenaufgang bezogen werden sollte.

So endete der erste Tag der für die Franzosen so glorreichen Schlacht bei Jena.

Aber mancher tapfere Bursche knirschte vor Wut mit den Zähnen, als er von der Panik hörte, und schwur hoch und heilig, wenn es wirklich zum Kampf käme, die Schmach mit dem Blute der Franzosen abzuwaschen oder selbst dabei ins Gras zu beißen!

Am nächsten Tag kamen der König und der Herzog von Braunschweig von Weimar herübergeritten. Sie wollten mit Hohenlohe die auf Grund der erlittenen Niederlage Tauentziens und Louis Ferdinands veränderte Sachlage beraten und beschließen, was nun zu tun wäre, um sich der nach dem Fall Naumburgs drohenden Überflügelung zu entziehen und aus der Falle hinter der Saale wieder herauszukommen.

Das Resultat der Beratung wurde, daß das Hauptheer von Weimar über Auerstedt auf die Unstrut zu in Marsch gesetzt werden sollte. Rüchel, der mit seiner Armee in Erfurt stand, sollte folgen, zunächst nach Weimar – der Herzog von Weimar sollte von seinem „Husarenstreich“ nach Franken zurückberufen werden, Hohenlohe die Saaleübergänge bei Jena, Dornburg und Camburg besetzen, um den Flankenmarsch der Armee zu schützen und dann nachkommen. In Sachsen wollte man sich mit der Reservearmee unter dem [pg 144]Herzog von Württemberg treffen und so vereint dem Feind entgegentreten.