Der Rand des Saaleplateaus, vorzüglich der Landgrafenberg, sollte besetzt, aber kein Angriff unternommen werden.
Man trennte sich wieder.
Der Fürst, der sich bestimmt vorgenommen hatte, wenigstens heute zu Mittag zu essen, wollte sich eben zu Tisch setzen, als ihm wieder zwischen Lipp’ und Bechersrand eine Probe gegeben wurde, wie sehr die Disziplin in seiner Armee gelockert war und wie wenig er sich auf sie verlassen konnte.
Zunächst wurde er durch die Nachricht gestört, daß der Feind die dicht bei Jena stehende Feldwache angegriffen hatte – was ja an sich keine Katastrophe bedeutet hätte, wenn jene Nachricht ihm nicht durch den Chef jener Feldwache selbst überbracht worden wäre, der auch gleich, vorsichtshalber, sein ganzes Wachkommando nach der Stadt mitgenommen und also dem Feind offene Bahn gelassen hatte. Das mußte schleunigst in Ordnung gebracht werden und wurde auch durch den Adjutanten des Fürsten, Major Loucey, mit einem Bataillon eines der in Jena stehenden Regimenter Tauentziens besorgt. Außerdem bekam der sächsische General Senft, der zwischen Jena und Dornburg stand, Befehl, mit seinen Dragonern die neue Feldwache zu unterstützen, die Saaleufer zwischen Dornburg und Jena zu beobachten, Dornburg zu besetzen und auch mit einigen Eskadrons nach Camburg zu gehen, um die dort befindliche Brücke, die in die Hände der Franzosen gefallen war, zu nehmen.
Der General tat das alles äußerst saumselig, wofern er es überhaupt tat, dirigierte eine Eskadron halbwegs nach Camburg und setzte sich mit dem Rest seiner Dragoner irgendwo zur Ruhe. Der Fürst wußte aber davon nichts.
Es stand jedoch in den Sternen geschrieben, daß der gute Fürst, der sosehr die Freuden der Tafel liebte, gerade in dieser Beziehung seines Lebens nicht froh werden sollte!
Mit Entbehrungen seines durchlauchtigen Bauches mußte er die Sünden seines Kommissariats vergelten, das so schlecht [pg 145]für das leibliche Wohl seiner Soldaten sorgte. Nolens volens mußte er die Qualen des Hungers selbst leiden für alles, was die braven Soldaten entbehren mußten! Und gar noch für die Sachsen, obwohl diese ein eigenes Oberkommando, eigene Verpflegung und eigenen Generalstab hatten und ihn in dieser Hinsicht gar nichts angingen!
Das hinderte sie aber nicht, einen Kriegsrat ihres Verpflegungsdepartements, mitsamt dem Adjutanten der kommandierenden sächsischen Exzellenz, zum Fürsten zu schicken, mit der kategorischen Mitteilung: Wenn die Preußen ihnen nicht sofort zu essen gäben, würden sie, die Sachsen, sogleich abmarschieren und den Krieg Krieg sein lassen!
Der Fürst verzog keine Miene bei der wenig erfreulichen Tatsache, daß seine halbe Armee angesichts des Feindes mit Rebellion drohte. Er versprach alles und schickte sofort seinen braven Massenbach spornstreichs nach Weimar zum König, um Brot für die Sachsen zu erbitten. Denn er war davon überzeugt, wo kein anderer etwas Eßbares verschaffen könnte, da würde Massenbach bewirken, daß die Steine zu Brot werden würden. Aber leer käme er nicht zurück! –
Nachdem der Fürst diese Anordnungen getroffen hatte, setzte er sich nicht noch einmal zu Tisch, denn das hatte er sich schon abgewöhnt und als aussichtslos aufgegeben! Sondern er bestieg sein Pferd und begab sich ins Lager, ließ die Truppen aus den Zelten hervortreten und ritt die Front ab.