Die Schlacht war, wenn sie weiterging, trotz aller anfänglichen Mißerfolge gewonnen. Allein man ahnte es nicht.

Man hätte wohl wissen können und müssen, daß man höchstens ein einziges französisches Korps sich gegenüber hatte –, daß man also über eine erdrückende Übermacht verfügte!

Davoust hatte mehr gelitten als die Preußen und hatte keine Reserven mehr. Aber die preußischen Reserven unter Kalckreuth waren noch intakt.

Blücher ahnte, wie die Sache stand. Er bat den König um Kavallerie, um noch einmal den Versuch zu machen, eine Entscheidung herbeizuführen. Er erhielt sie auch, aber, gerade als er zur Attacke blasen lassen wollte, auch den unausbleiblichen Gegenbefehl. Er solle es lieber bleibenlassen. Es nütze doch nichts mehr. Die Kavallerie hatte es ja heute schon einmal schlecht gemacht. Und die Reserven, die bei Eckartsberga [pg 158]standen und untätig zusahen, wie sich ihre Kameraden verbluteten –, die wollte der König nicht auch noch opfern! Er glaubte nicht an den Sieg und siegte infolgedessen nicht. Er begnügte sich damit, zu befehlen, die Schlacht abzubrechen und einen allgemeinen Rückzug auf Weimar zu nehmen, um sich dort mit Hohenlohe zu vereinigen.

*

Blücher war tobend und fluchend fortgeritten, als der König ihm seine Zustimmung versagte, noch einmal mit der Kavallerie die Schlacht wiederherzustellen.

Der König, der seinen alten Haudegen kannte und ihm nicht recht traute, schickte ihm gleich einen Adjutanten nach mit dem Befehl, zurückzukehren und bei seiner Person zu bleiben.

Sonst wäre es nicht sicher, daß nicht Blücher auf eigene Faust hin doch noch etwas unternähme!

Der Alte kam, meldete sich steif und korrekt zur Stelle, nahm seinen Platz im Gefolge ein, wurde vom König ins Gespräch gezogen, ritt gehorsamst heran, salutierte, antwortete kurz: „Zu Befehl, ja – zu Befehl, nein!“ auf alle Fragen, die der König an ihn richtete, und kam aus der Einsilbigkeit gar nicht heraus.

Der König ließ sich aber nichts merken. Er tat, als wäre alles in bester Ordnung, und sprach weiter auf Blücher ein, ohne seine schlechte Laune zu beachten. Und das paßte Blücher nun ganz und gar nicht in den Kram.