Der König hatte schon eine derbe Antwort bereit.

Da knatterte es plötzlich irgendwo auf der rechten Seite los, Blücher gab seinem Pferd die Sporen, sprengte hin, um zu sehen, was los war, und kam zurück mit der Meldung, man hätte ein paar naseweise Chasseurs zum Teufel gejagt.

„Werden uns noch durchschlagen müssen!“ sagte der König eintönig und setzte den Weg fort. Blücher ritt voraus und untersuchte das Terrain, war bald hier, bald dort und kehrte bisweilen zum König zurück mit der Meldung über seine Wahrnehmungen, wurde für seine Fürsorge bedankt, aber sonst nicht weiter ins Gespräch gezogen.

Auf einmal, dicht vor Buttstedt, erhob sich an der Spitze der zurückgehenden Kolonnen ein großes Geschrei. Herannahen von Truppen wurde gemeldet. „Die Franzosen sind da!“ schrie alles. „Wir sind abgeschnitten!“ Und gleichzeitig knallte es rechts und links im Gebüsch los.

Alles stockte.

Patrouillen gingen vor und kamen zurück mit der Nachricht, Teile der Armee Hohenlohe zögen aus entgegengesetzter Richtung heran. Man hätte heute bei Jena gekämpft, der Fürst wäre geschlagen und geflüchtet – man wisse nicht wohin – Grawert und Rüchel wären vernichtet, die Sachsen gefangen – die Franzosen verfolgten gegen Weimar die dorthin Geflohenen, man hätte auch hier bald mit ihrem Erscheinen zu rechnen!

Alles stürzte vor, um selbst zu sehen und zu hören und von den Anrückenden nähere Kunde zu bekommen.

Jede Ordnung hörte auf. Die Verbände wurden zerrissen, alles eilte in wirren Haufen durcheinander, schreiend, fluchend, tobend, ohne zu wissen wohin, ohne auf das Kommando zu hören, nur vorwärts auf dem nächsten Weg. Und ging’s nicht schnell genug auf den von der Bagage verstopften Chausseen, dann wurde einfach geplündert, die Regimentskassen verteilt, die Proviantwagen geleert und in die Gräben geworfen. Und wo es etwas Trinkbares zu fassen gab, wurde sofort ein allgemeines Gelage veranstaltet. Die Trunkenheit nahm bei den durch langen Hunger entkräfteten Soldaten reißend zu. Wüste Schmähreden auf die Offiziere, die das ganze Unglück verschuldet hatten, wurden laut, die unflätigsten Schimpfwörter schwirrten durch die Luft, vermischt mit dem kreischenden Gesang der betrunkenen Polen, die mit Sack und Pack abzogen und sich laut damit brüsteten, daß sie nun zu den Franzosen übergingen.

Die Offiziere, die Ordnung zu schaffen suchten, wurden gröblichst insultiert. Die Quälgeister unter ihnen ernteten jetzt die Frucht lange keimenden Mißvergnügens, wurden geschlagen, geschmäht und ihnen ins Gesicht gespuckt. – Die Mannschaften rissen ihre Abzeichen ab, warfen Knöpfe, Achselklappen, Packung und Gewehre in den Kot, daß die Landstraße weithin mit den fortgeworfenen Gegenständen besät wurde.

„Mit Preußen ist’s jetzt aus!“ schrien sie, „Preußen ist hin! Unseres Diensteides sind wir ledig!“