„Der Feind brauchte nicht viele Schläge mehr,“ meinte einer, „warum wurde nicht die Reserve eingesetzt?“

„Der alte Kalckreuth ist schon schlapp!“ antwortete ein anderer. „Er hatte schon längst einen Knacks, und nun geht ihm wohl vollends die Puste aus!“

„Wir hätten bei unserem Alten sein müssen, als er zur Attacke blasen ließ!“ sagte noch einer. „Da wär’s ein anderer Tanz geworden! Wir hätten ihn nicht aufsitzen lassen! Dunnerslag – so davonzulaufen vor den paar Chasseurs! Eine Schmach war’s und eine Schande! Aber die Königindragoner – – und die Reitzensteinkürassiere – und gar die von Heising! Die denken nur an ihren Magen! Ihre besten Leute fouragierten, als es zur Schlacht gehen sollte, und die anderen, nun, die sind eben nur bei den Paraden zu gebrauchen! Na, nun werden wir ja – – – Kinder – das Regiment kommt zu Ehren!“

„Man gut, daß wir zusammenblieben und hierherkamen. Ich war schon entschlossen, mich in den Busch zu schlagen und zu sehen, wie ich durchkäme, als der Kuddelmuddel unterwegs losging und alles davon redete, sich dem Franzmann zu ergeben! Und hätte ich unseren Alten nicht gesehen – ich wäre längst über alle Berge!“

Da kommandierte der Rittmeister: „Achtung!“

Die Glieder richteten sich; die Leute saßen wie angegossen in den Sätteln; auf Kommando flogen die Säbel aus den Scheiden und salutierten. Denn Blücher erschien jetzt auf der Freitreppe, von zwei Lakaien mit brennenden Armleuchtern begleitet.

Wie er so dastand in der Oktobernacht, hoch, schlank und elastisch wie eine Stahlfeder, das Gesicht mit dem grauen Schnurrbart frisch gerötet, die dunkelblauen Augen vor innerer Glut funkelnd, da war’s jedem der unten Harrenden, als träte er ihnen heute zum erstenmal vor Augen als der Herr und Gebieter, dessen Wort ein jeder sich zu fügen hatte, und wenn’s geradeswegs in den Tod ginge! Ein Gefühl von Sicherheit und Zutrauen kam sofort über sie; die Haltung straffte sich, die Faust krampfte sich stählern um den Säbelgriff, die Schenkel griffen fester um den Sattel, so daß Reiter und Pferd miteinander verwachsen schienen. [pg 164]Und als Blücher vortrat, und mit seiner sonoren, weithin schallenden Baßstimme ihnen zurief: der König habe dem Regiment die Gnade erwiesen und von ihm eine Eskorte angenommen, und er, Blücher, erwarte von jedem einzelnen unter ihnen, daß er sich der hohen Ehre würdig zeige und sein Äußerstes hergebe, um die geheiligte Person des Monarchen glücklich durch alle Fährnisse hindurchzubringen, da bedurfte es nicht noch der Drohung, mit der er glaubte seinen Worten weiteren Nachdruck geben zu müssen, als er die Worte hinzusetzte: „Und das sage ich euch, Kinder, wer von euch nach einem etwaigen Unglück mir noch lebendig unter die Augen zu treten wagen sollte, den würde ich mit eigenem Händen in Stücke hauen!“

Eisenhart klang das, und eisenhart stand der Alte da, wie ein Engel des Gerichts, die Hand auf dem Säbel.

Nicht seinen lieben Roten galten diese drohenden Worte, das wußten sie alle! Sie wußten, daß er sie wohl kannte und keinen Zweifel an ihnen hatte. Er war ihr Vater und sie seine Kinder, Fleisch seines Fleisches, Blut seines Blutes! Wie er für sie und mit ihnen, so würden sie alle freudig auf seinen geringsten Wink in den Tod reiten – dazu bedurfte es weiter keiner Mahnung und beileibe keiner Drohung! Die Worte soeben, die hatten den anderen gegolten, die gestern so schlecht geritten waren und ihren Alten im Stich gelassen hatten, statt ihm zum Sieg zu folgen! Denen waren sie ein gerechter Vorwurf, und die trafen sie auch – an den Roten vorbei, die dabei stolz blickten und mit begeisterten Zurufen seine Ansprache beantworteten.

Dann rief Blücher den Rittmeister von Wolky und seinen Sohn zu sich, sagte ihnen, er hätte befohlen, daß das Husarenregiment von Schimmelpfennig und das Dragonerregiment von Kraft rechts und links von der Chaussee marschieren sollten, um die Reise des Königs zu sichern – befahl ihnen äußerste Wachsamkeit und ging dann hinein, um dem König zu melden, daß alles bereit sei.