„In Vippach!“ rief Blücher. „Geb Gott, er wäre ganz woanders, wo’s recht heiß ist! Geb Gott, er wäre in der Hölle mitsamt seinem Massenbach, und käme nie wieder auf deutscher Erde zum Vorschein! Sonst erleben wir womöglich noch größere Schweinereien als die, die er uns in Jena bescherte! Was will der Fürst noch Befehle, wo er ihnen doch nicht gehorcht?!“
Kalckreuth stand mit offenem Munde und unausgesprochener Antwort und blickte ihn entsetzt an. Schließlich winkte er den Boten näher heran und gab ihm mit tonloser Stimme den Bescheid: er möge seinem Herrn bestellen, der König wäre in Sondershausen, und der Fürst würde gut tun, sich auch dorthin zu begeben und sich dort Befehle zu holen.
Dann schrumpfte er in dem Stuhl zu einem leblosen Haufen müder Menschlichkeit zusammen und schlief auf der Stelle ein.
Blücher aber ließ sich ein kräftiges Frühstück kommen und war bald wieder bereit, es mit jedem Schicksal aufzunehmen.
*
Die von Blücher befehligte Arrieregarde war auf dem Rückzug bis in die Gegend von Weißensee gekommen, als plötzlich Prinz August, der ein Bataillon im Regiment König [pg 167]befehligte, in voller Karriere an Blücher heransprengte und ihm schon aus der Ferne laut zurief:
„Die Hundsfötter! Die Hundsfötter! Kommen Sie rasch mit, General, wenn Sie das Unglück noch verhindern wollen, sonst haben wir im nächsten Augenblick die Kapitulation!“
„Da soll doch der Donner dreinschlagen!“ rief Blücher, hochrot im Gesicht. „Sind die Leute denn alle alte Weiber geworden?“
Er gab seinem Pferd die Sporen und sprengte nach dem Standort des Kalckreuthschen Oberkommandos, wo der alte General eben im Begriff war, sich zur Unterredung mit dem Marschall Soult zu begeben.
„Wer redet hier von Kapitulation?“ schrie Blücher ihn an. „Da kann doch keine Rede davon sein, daß wir kapitulieren müssen! Wir schlagen uns durch, wenn’s sein muß – aber uns ergeben? Nee! Das geschieht nie und nimmer!“