Eine Gruppe der angesehensten Bürger Berlins, an ihrer Spitze der Zivilgouverneur Fürst von Hatzfeld selbst, trat vor, um dem Kaiser die Schlüssel der Stadt feierlichst zu überreichen.
Der Fürst hielt seine Ansprache; der Sieger von Marengo, Austerlitz und Jena dankte mit seiner melodischen Stimme in leicht singendem Tonfall, die Worte mit absichtlicher Feierlichkeit dehnend und fast skandierend. Er ließ dann die Schlüssel der Stadt vom neuernannten Gouverneur in Empfang nehmen, blickte auf das Tor hinauf zur bronzenen Viktoria, die ihm mit ihrem Viergespann leichtgeschürzt entgegengesaust kam, lächelte bedeutsam und sagte dann, ohne seine Worte an irgendeinen zu richten:
„Die Dame fährt in verkehrter Richtung. Der Sieg kommt heute aus Westen, Messieurs, die Siegesgöttin also auch! Wir wollen ihr auf den rechten Weg helfen!“
Ein Zeichen seiner Hand – die Musik fiel ein, die Trommeln schlugen, die Bläser prusteten, und durchs Siegestor der Hohenzollern zog die glänzende kaiserliche Kavalkade ein, strotzend von Orden und goldenem Schmuck, mit wehenden Federbüschen, prachtvollen Gewändern, von fürstlich aufgeschirrten Pferden getragen. Allen voran Napoleon selbst im grauen Mantel, den schwarzen dreieckigen Hut auf dem Haupte.
„Vive l’empereur!“ riefen vorschriftsmäßig die Garden. Vereinzelte Hurrarufe aus der Menge wurden laut.
„’t is ja een janz kleener Mann!“ quiekte plötzlich eine Stimme.
„’n janz kleener!“ brummte eine Baßstimme Antwort. „Det meen ick ooch! Und det will nu janz wat Jroßet sind?! So’n Quatsch!“
„Fif Langperöhr!“ johlten ein paar strebsame Gassenjungen.
Und dann brach ein Sturm los, wie er selten auf der Feststraße Berlins getobt hatte. Der Clou des Festzuges kam, die Überraschung, die Napoleon den Berlinern als Angebinde bot, indem er gleichzeitig seine eigene verletzte Eitelkeit in der raffiniertesten Weise rächte.
Hinter dem Festzug her wurde der Stolz der Berliner, ihr feinstes Regiment, das Regiment Gens’darmes, wie eine Viehherde über die Linden getrieben, durcheinandergeworfen, mit abgerissenen Uniformen, ohne Waffen, ausgehungert und zu Tode gehetzt, um nicht beim Triumphe seines Besiegers zu fehlen.