„Ich freue mich, Sie endlich einmal zu sehen, Herr Oberst!“ sagte Blücher und reichte ihm die Hand.
„Nun, wenn Sie nicht immer so schnell weitergezogen wären, General, so hätte das früher sein können!“ antwortete Yorck, ohne die ausgestreckte Hand zu bemerken.
„Der Oberst von Yorck meldet sich zur Stelle“, sagte Blücher belustigt und blickte Scharnhorst augenzwinkernd an.
„Ich merke es!“ antwortete dieser.
„Ich hätte das früher besorgt,“ sagte Yorck noch kratzbürstiger, „hätten Sie es nur nicht so eilig gehabt. So kann ich also erst heute meine Meinung vorbringen. Und die ist die: eine verlorene Schlacht wäre weniger mörderisch gewesen als diese Lauferei vor dem Feind. Sie hätten die Schlacht in unserer Position bei Gadebusch ruhig annehmen sollen. Da hatte ich meine Jäger noch alle beisammen, [pg 193]und Sie Ihre Leute auch, General. Munition hatten wir genug, und die Leute waren frischer. Da brauchten wir uns nicht von unserem Wege abdrängen lassen wie jetzt. Der Marsch auf Lübeck war ein Fehler. Hier müssen wir uns doch schlagen, aber lange nicht in so günstiger Verfassung wie dort. Sie haben sich eben von Ihren vielen gelehrten Offizieren“ – er zeigte verächtlich auf Scharnhorst und Müffling – „gründlich nasführen lassen! Das meine Meinung!“ –
Gesagt, die Hand an die Krempe seines Huts gelegt, kehrtgemacht und abmarschiert.
Blücher lachte.
„Zum Küssen ist er! So’n bissiger alter Dachs! Und recht hat er auch! Hundertmal juckte es mich auch unterwegs danach, gehörig dreinzuhauen! Und wären Sie Massenbach gewesen und nicht Scharnhorst, ich hätte mich den Teufel um Ihren Einspruch gekümmert! Sie haben aber immer so gute Gründe, Sie verfluchter Kerl, Sie! Und die schlechte Gewohnheit, immer recht zu kriegen! Da haben Sie nun den Salat!“
Weiter kam er nicht, da wurde er durch heftiges Schießen unterbrochen.
„Man schießt am Burgtor! Kommen Sie, Müffling, schauen wir nach.“