Blücher trieb die Seinen an, den Oberst zu retten und die französischen Kanonen zu nehmen. Man kämpfte erbittert auf beiden Seiten. Da traf die Meldung ein, die Franzosen gingen längs der Trave auf das Holstentor zu und wären im Begriff, die einzige Rückzugsstraße abzuschneiden.

Wollte er sich nicht gefangennehmen lassen, so war es jetzt höchste Zeit, seine Truppen aus der Stadt zu führen. Mit allem, was in der Nähe war, zog er rasch ab und brachte sie noch glücklich durch das Tor hinaus.

Nach vergeblichen Versuchen, noch mehr von seinen Tapferen herauszuhauen, zog er dann weiter nach Schwartau, legte das Fußvolk dort in Quartier und nahm selbst Wohnung in Ratkau, wo die Überbleibsel seiner Kavallerie standen.

In Lübeck aber hausten die Franzosen in der barbarischsten Weise mit Mord und Brand, Plünderung und Notzucht und respektierten so die Neutralität in der ihnen eigenen Art.

In ihren eigenen Chroniken, wo sie sich ihrer sonstigen Kulturtaten rühmen, steht nichts davon.

In den Rechenschaftsbüchern eines Hohen Senats zu Lübeck aber stehen noch verzeichnet die Unsummen an Kriegskontributionen und erpreßten „Geschenken“, die Bernadotte, Soult und Murat nebst Gehilfen zu ergattern wußten.

Wogegen dort, auf der Schuldseite, der Name jenes Mannes längst gelöscht wurde, der in einer Zeit, als alles den Kopf verlor und starke Festungen ohne Widerstand kapitulierten, wenigstens den Versuch machte, sich mannhaft zu wehren, und zwar in einer offenen Stadt.

Er brachte der Stadt wohl Leid dadurch. Aber das kittete sie nur um so fester an das Ganze.

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Auf seinem Lager im Pfarrhofe zu Ratkau lag der General Blücher hingestreckt. Er fieberte.