Es war Mitternacht. Der Herzog von Braunschweig-Oels hatte ihn soeben mit einem Unterhändler des Marschalls Bernadotte verlassen, der ihm Kapitulation zu ehrenhaften Bedingungen angeboten hatte.

Kapitulation – dieses in den Annalen der preußischen Armee nur in bezug auf den Feind gebräuchliche Wort, hatte ihn unablässig verfolgt seit dem Unglückstage bei Auerstedt! Hätte vorher im Ernst jemand gewagt, ihm Preußen und Kapitulation in einem Atemzuge zu nennen, er hätte ihn ausgelacht, ihm den Rücken gekehrt und ihn keiner Antwort gewürdigt!

Seitdem er aber bei Auerstedt und anderswo die Unfähigkeit der Armeeführer gesehen hatte – seitdem klang ihm immer jenes fatale Wort in den Ohren, Tag und Nacht!

Wo er konnte, hatte er alles getan, um zu verhindern, daß der preußischen Armee diese Schmach angetan würde! Und wo er noch in letzter Stunde hinzukam, war es ihm auch gelungen.

Freilich – überall hatte er nicht anwesend sein können!

Die Schmach bei Prenzlau, wo Hohenlohe mit der Hauptarmee die Waffen streckte – diese unerhörte Schandtat wäre nie und nimmer geschehen, wäre er nur dabei gewesen!

Hätte er nur eine Ahnung davon gehabt, er wäre hingeritten wie der Blitz, hätte den Fürsten und jeden, der nur ein Wort von Kapitulation zu sprechen wagte, vor den Kopf geschossen! Aber geschehen wäre es nicht!

Denn das gab das Signal zu all den anderen Kapitulationen! Wenn der Oberbefehlshaber selbst mit der Hauptarmee sich ergab – was Wunder denn, daß die anderen folgten? Die Kavallerie bei Pasewalk, Bila bei Anklam, und dann: Stettin, Küstrin, Spandau! Wie reife Früchte beim ersten Windstoß vom Baume fallen, so fielen sie, die eine Festung nach der anderen, die eine Armee nach der anderen! Und jetzt war er selbst in der schmachvollen Lage, jenes Wort – jenes verhaßte Wort für immer und ewig seinem eigenen Namen anhängen zu müssen!

Es war ja noch nicht soweit! Er hatte es ja abgelehnt, vor Tagesanbruch in irgendwelche Verhandlungen zu treten! Bis dahin könnte noch manches passieren! Freilich war nicht viel Hoffnung da! Travemünde, wohin er mit dem Rest seiner Truppen ziehen wollte, war bereits gefallen; Geschütz und Gepäck auf dem Wege dorthin verloren, keine Munition mehr, seine Leute ohne Nahrung, frierend und hungernd! Da bliebe ihm nur – –

Er zwang seine Gedanken davon fort.