Der Braunschweiger hatte ihm auch ausführlich vom Einzug Napoleons in Berlin erzählt. Man hatte ja schon in Lübeck verschiedenes davon zu munkeln gewußt – und der Unterhändler Bernadottes hatte es sich jetzt noch angelegen sein lassen, die Begebenheit in möglichst grellen Farben zu malen, um ihn gefügig zu stimmen!

Er schloß die Augen, und sah es so deutlich vor sich, als hätte er es miterlebt, hörte die dröhnenden Trommelwirbel und das Schmettern der Trompeten, die das Nahen des Siegers verkündeten. Und dann ritt der kleine Kerl an der [pg 197]Spitze seiner Garden durchs Brandenburger Tor hinein, vor ihm die erbeuteten preußischen Fahnen, und dann hinterher – wie eine Viehherde, die zur Schlachtbank getrieben wird – die gefangenen preußischen Offiziere. Auch das hatte nicht an seinem Triumph fehlen dürfen!

Und der Pöbel auch nicht, der dem Triumphator huldigte und seine Opfer auspfiff! – –

Er stöhnte laut auf, als er an die Szene dachte. Die Hände krallten sich vor Wut zusammen beim Gedanken an all den Raub, den der Sieger in Berlin gemacht hatte, und all die Schmach und Schande, die er dafür aufs Haupt der Besiegten häufte!

Er lachte laut auf.

„So ist’s recht!“ rief er gallig, sich im Bett aufsetzend, und schlug mit der Faust auf den Bettrand. „So ist’s recht! Nur zu, nur zu! Tritt sie mit Füßen – tritt nach Herzenslust! Die Deutschen trittst du nimmer tot! Aber du trittst sie zu einer Masse zusammen! Nur so werden sie’s, nur die äußerste Gewalt kann das bewirken! Tritt sie – ihnen zum Heil und dir zum Schaden, wenn sie sich dann endlich gemeinsam gegen dich erheben!“

Er sank wieder zurück und lag da lange mit geschlossenen Augen, heftig atmend, die Wangen von Fieberglut gerötet. Gestalten tauchten vor seinem inneren Gesicht auf, Gefährten der letzten Kämpfe, der Flucht und des kläglichen Rückzugs!

Zunächst Massenbach!

Den hatte er auf dem Strich, seit Greußen, wo dieser Schuft sich unterfangen hatte, sein, Blüchers, Ehrenwort aufs Spiel zu setzen durch falsche Verdolmetschung seiner Weigerung, es abzugeben!

Den hatte er seitdem nicht aus den Augen gelassen!