„Was bei so’ner niederträchtigen Sache Brauch ist oder nicht, ist mir schnuppe!“ sagte Blücher, als ihm Müffling das verdolmetschte. „Das Kapitulieren ist überhaupt nicht bei mir Brauch und soll, hol’ mich der Teufel, nie wieder bei mir vorkommen! Und was ich beanspruchen darf, weiß ich selbst am besten und brauche mir das von so’n paar hergelaufenen Grünschnäbeln von Franzosen nicht weismachen zu lassen! Die sollen mich den Buckel herunterrutschen, aber unterschreiben tue ich nach meinem, nicht nach ihrem Kopf! Und wollen sie das nicht, sollen sie sich zum Teufel scheren!“

Die Franzosen guckten den alten kratzbürstigen Herrn erstaunt an, der sie so von seinem Lager aus mit heiserer [pg 203]Stimme anschrie. Sie blickten sich an, zuckten die Schultern, blickten Müffling an, steckten mit diesem dann die Köpfe zusammen und flüsterten in bedauerndem Tone ein paar freundliche Phrasen, von denen Blücher nur die Worte auffing: „monsieur le général – – encore très malade!“

Dann nickten sie endlich wohlwollend zustimmend. Müffling nahm das Dokument, tauchte den Federkiel ein, legte ein dickes Buch unter und gab das Ganze an Blücher, der, auf den linken Ellbogen gestützt, nach der Wand gedreht, und ohne den Siegern sein Gesicht zu zeigen, rasch ein paar Worte hinkritzelte.

Dann reichte er Müffling, ohne sich umzudrehen, Dokument und Federkiel, legte sich wieder hin, nach der Wand gekehrt, und ließ die Franzosen Franzosen sein.

Sie blickten sich wieder an, blickten Müffling an, schüttelten die Köpfe, blickten in das Dokument hinein und buchstabierten laut:

„Ik kapitüliär nür, wei’ ik känn Brott ün kann Münissiong mehr ’abe –

Bluchêre –“

Sie falteten das Dokument zusammen, legten die Finger an ihre Käppis und salutierten mit ausgesuchter Höflichkeit die ihnen reichlich gezeigte Hinterfassade des alten Haudegens, lächelten sich an, schüttelten die Köpfe, rollten ihre kleinen Rattenaugen, daß sie lustig funkelten, drehten die Schnurrbärte spitz in die Höhe, und verließen dann mit Grazie die Höhle des Löwen, ohne von ihm eines Blickes gewürdigt zu werden.

*

Blücher begab sich zunächst als Kriegsgefangener nach Hamburg und hatte die Genugtuung, nach einigen Tagen Scharnhorst dem König senden zu können. Er versäumte nicht, ihn dem Monarchen angelegentlichst zu empfehlen und die Verdienste seines Generalquartiermeisters während des Rückzuges im hellsten Lichte strahlen zu lassen.