Der Einfluß Scharnhorsts zeigte sich bald.
Der König hatte im Zeitraum von kaum drei Monaten so viele Schläge auf sein Land niedersausen sehen wie kein anderer preußischer König vor ihm. Außer den Kapitulationen im freien Felde hatten die Festungen Erfurt, Spandau, Stettin, Küstrin, Magdeburg, Czenstochau, Hameln, Fort Plessenburg bei Kulmbach sich ergeben, und Glogau und Breslau würden, nach allem zu schließen, bald folgen. Trotzdem war der König noch ungebeugt. Er hatte gesehen, was morsch und baufällig in seinem Staate war, aber auch, daß noch frische und unverbrauchte Kräfte vorhanden waren. Das hatte ihm den Mut gegeben, ungesäumt an den Aufbau seines in Trümmer sinkenden Staates zu gehen.
Zunächst fing er da an, wo der Schaden am offenkundigsten zutage getreten war, bei der Armee.
Die Armee hatte es beim Volke verspielt! Preußischer Offizier zu sein, war eine Schande geworden! Alle Welt fand sich befugt und berechtigt, die Offiziere zu verhöhnen und zu beschimpfen! Der lang verhaltene Neid über ihre bevorzugte Stellung kam jetzt elementar zum Ausbruch und machte sich in der gehässigsten Form Luft, durch Pamphlete, in den Zeitungen, durch öffentliche Insulten!
Es galt also, der Armee die Stellung in der allgemeinen Achtung wiederzugeben, die sie als erste und unentbehrlichste Dienerin des Staates haben mußte, um ihres Amtes mit Erfolg walten zu können.
Es galt, ihr vor allem das Vertrauen zu sich selbst wiederzugeben! Es galt, sie zu reinigen! Und das konnte wiederum nur der Offizier selbst tun.
Der Offizier sollte selbst den Offizier richten! Jedes Regiment sollte ein Tribunal einsetzen, vor dem ein jeder Offizier, der sich im Felde irgend etwas hatte zuschulden kommen lassen, sich zu verantworten haben würde! Die Gutachten dieser Tribunale sollten alle an eine Immediatkommission gehen, die schließlich die Urteile nebst Begründung und genauem Bericht dem König unterbreiten müßte.
Am 1. Dezember 1806 erließ der König von Ortelsburg aus, während alles um ihn wankte, sein ewig denkwürdiges „Publikandum wegen Abstellung verschiedener Mißbräuche bei der Armee“.
Von dem Tage der Veröffentlichung dieses Aktenstückes an datiert die Neuschöpfung der preußischen Armee, die sie zu der ersten der Welt gemacht hat. Das Publikandum Friedrich Wilhelms des Dritten war der erste Baustein in der Grundmauer, auf der sich sein Reich zum Heile Deutschlands wieder neu aufbauen sollte.
Und Blücher hatte da geholfen, die richtigen Mitarbeiter zu finden.