„Keine Pariserinnen!“ lachte Constant.
„Nun, dort hat man eben seine Freundinnen! Aber hier – nun – für sich selbst sorgt der Kaiser schon! Aber für uns –! Wenn ich wenigstens meine Nachtruhe hätte! Aber seitdem er die Liaison mit der schönen Polin hat, seitdem er so kindisch verliebt ist, seitdem schläft er überhaupt nicht mehr, seitdem ruft er mich jede Nacht immer wieder! Wenn Sie ein Mensch wären, Constant, würden Sie mich einmal ablösen und statt meiner vor seiner Tür schlafen, damit ich einmal ausruhen kann.“
„Ich denke nicht daran“, sagte Constant lächelnd. „Ich habe tagsüber ohnehin so viel mit ihm zu schaffen, daß ich meine Nachtruhe vollauf verdiene. Aber – in anderer Weise komme ich Ihnen gern zu Hilfe.“
„Wie denn?“
„So, daß ich für die Ruhe seines Gemüts sorge. Der Kaiser muß eben anders werden. So wie jetzt, geht es nicht weiter, sonst verlieren wir den Feldzug! – Wir regieren ja nicht mehr, wir führen den Krieg nicht, alles schläft ein, und keine Andeutung hilft. Er ist in Gedanken, er hört nicht, er lächelt manchmal still in sich hinein, oder er seufzt und spricht vor sich hin! Verstehen Sie das? Er, der Mensch aus Stahl, dem man noch niemals eine Leidenschaft ansah, außer der einen: tätig zu sein, Tag und [pg 208]Nacht Anordnungen zu treffen, die ins Getriebe der ganzen Welt eingreifen – er benimmt sich jetzt wie ein ganz gewöhnlicher junger Mensch, der zum erstenmal zu tief in die Augen eines jungen Mädchens geblickt hat! Das ist entschieden ungesund. Er ist krank. Und da habe ich eben auf eigene Faust eingegriffen und ihm einen Helfer hierherbestellt, der sein Ohr hat.“
„Wen denn?“
Ehe Constant antworten konnte, öffnete sich die Tür, und eine seltsame Gestalt trat über die Schwelle.
Roustan lachte laut auf.
„Der soll ein Helfer sein?“ rief er und deutete auf den kleinen, buckligen, gebeugten Herrn, dessen gestickte Hoftracht nur dazu vorhanden zu sein schien, die Gebrechen seiner äußeren Erscheinung recht deutlich hervorzuheben.
Zwischen seinen hochgeschobenen Schultern lag ein mächtiger Kopf mit kräftiger Hakennase und glühenden, von buschigen Brauen beschatteten Augen, wie in ein Vogelnest versunken. – Sein Degen schlug ihm gegen die schiefen Waden und verwickelte sich bei jedem Schritt in ihnen. Er blieb an der Tür stehen und kaute an seinen krallenartigen Fingern.