Constant zog sich vom Bett zurück, machte sich mit dem Feuer zu schaffen, wartete einen Augenblick und machte dann wieder einen schüchternen Versuch.

Der Kurier aus Paris sei angekommen – die Portefeuilles der Minister wären zur Stelle. Er, Constant, hatte auch vertrauliche Mitteilungen vom Polizeioberinspektor Beyrat erhalten über den im Portefeuille des Innern befindlichen Bericht des Polizeipräfekten von Paris, die ein eigentümliches Licht auf die Pflichttreue dieses hohen Beamten warfen. – –

Napoleon winkte wieder ab.

„Später“, sagte er kurz, und Constant zog sich wieder etwas zurück.

Nach einer Weile trat er wieder vor und fing, trotz der abweisenden Gebärde Napoleons, an, wie üblich, den Tagesklatsch vorzubringen.

Da war insbesondere der gefangene preußische General Blücher – oder Bluquaire, wie er ihn nannte, der sich wieder hatte Respektlosigkeiten zuschulden kommen lassen. Der General war ein Grobian. Das Hauptquartier in Rosenberg hatte ihn bestens empfangen, sein Zimmer mit Lorbeeren bestreut, ihm eine Ehrenwache vor der Tür postiert, der General Le Camus hatte ihn in Person empfangen, der Generaladjutant General Dänzel ebenso. Er aber hatte die Aufmerksamkeit kaum beachtet; er hatte verlangt, sofort zum Kaiser geführt zu werden; er hatte geschimpft und getobt, weil er nicht gleich ausgewechselt wurde; mit seinen ebenso ungeschlachten Gesellen spielte er von früh bis spät Karten, trank, rauchte, kurz, er sei ein rechter Barbar! – Und jetzt käme das Unerhörte: – als Majestät neulich an seiner Behausung vorbeigeritten waren und man ihn darauf aufmerksam machte, da spielte er ruhig seine Partie Whist weiter und sagte nur: „Ich will ihn gar nicht sehen, ehe ich ihn nicht sprechen kann.“ Diese Unehrerbietigkeit – diese –

Er hörte plötzlich auf und zog sich etwas zurück, denn der Kaiser saß plötzlich aufrecht im Bett und blickte ihn zornig an.

„Jetzt höre ich Sie bald eine halbe Stunde schwatzen, Monsieur Constant!“ sagte er streng, „Sie haben mir aber mit keinem Wort mitzuteilen geruht, wie Frau Gräfin Walewska die Nacht verbracht hat.“

„Zu Befehl!“ sagte Constant eilig. „Die Frau Gräfin schläft noch; ihre Kammerfrauen warten noch an ihrer Tür. Sobald sie aber eintreten dürfen, bekomme ich Nachricht!“

Napoleon legte sich wieder hin.