Blücher schwieg einen Augenblick und zupfte an seinem langen Schnurrbart, ließ sich dann eine frische Pfeife bringen und in Brand stecken und paffte dem Rittmeister ganze Wolken ins Gesicht.

„Hm, ja – schön! – Machen wir den Versuch! Probieren wir’s denn mit dem Husarenstreich! Aber erst neue Karten her!“

Neue Karten wurden gegeben. Und zum erstenmal, seit Blücher in Rosenberg weilte – gute Karten, und alle Honneurs! Er strahlte wieder und war eitel Glück und Wonne, machte einen großen Schlemm nach dem andern und merkte gar nicht, wie seine Jungen die Karten so gut zu mischen wußten, daß er immer wieder lauter Trümpfe in die Hand bekam. Denn die Pfeife schmeckte und gab etwas her und hüllte alles brav in Dämpfe ein. Eisenhart wußte auch so gut und eifrig den Kriegsplan zu entwickeln, daß der alte, gewiegte Spieler nicht daran dachte nachzusehen, ob auch richtig gemischt wurde – wozu er ja auch keinen Grund hatte, solange die Karten gut fielen! Im Grunde genommen waren die Franzosen ja auch ganz passable Kerle und als Feinde gar nicht zu verachten! Und wenn schon ihre Freundschaft sich verflucht fade anließ, so wollte er sich nicht widersetzen, er wollte schon die Komödie mitmachen! Aber nur bis zur Grenze! Keinen Schritt weiter! Sobald er frei war, da wollte er auch seine Freiheit haben!

„Eins kann ich den Kerlen nimmermehr verzeihen“, sagte er und schmunzelte über die schönen Stiche, die er immer wieder machte. „Und das ist, daß sie mich nicht nach Berlin hineinlassen wollten. Zu denken, ich bin dicht vor der Stadt, [pg 229]ich soll da durch, es ist sogar der mir vorgeschriebene Weg! Und da heißt es: ‚Außen herumfahren! In der Stadt können wir dich nicht gebrauchen! Kommst du her, dann gibt’s hier einen Aufruhr!‘“

„Die Berliner hätten Kopf gestanden!“ sagte der eine junge Blücher stolz.

„Wäre mir recht gewesen“, schmunzelte der Alte. „Ich hätte gegen den Aufruhr nichts gehabt! So’n Krakeel wäre mir gerade nach dem Sinn gewesen! Und um das haben die Franzosen mich nun auch gebracht!“

Er schwieg und blickte auf. In der Tür stand ein französischer Offizier, die Hand salutierend am Schirm seines Käppis. Durch das niedrige Fenster guckten andere Offiziere herein.

Blücher stand nicht auf und erwiderte kaum den Gruß.

„Mon général –“, fing der französische Offizier an.

„Ich bin nicht so ’n Allerweltsgeneral, ich bin preußischer Generalleutnant und bitte mir richtige Titulatur aus!“