Er kam gleich auf Blücher zu und fing an, lebhaft auf ihn einzureden.

Und Blücher stand da, lang und breitbeinig, den Kopf vorgestreckt, und sah auf den kleinen Kerl herab, der sich mit zierlichen Schritten vor ihm hin und her bewegte – glotzte ihn an wie eine große Dogge, die die lustig einschmeichelnden Sprünge eines zierlichen Affenpintschers um sie herum anstaunt und dann und wann mit einem tolpatschigen Schlag der Pranke zu vergelten versucht, dabei das Kläffen des Kleinen mit einem gutmütigen Zähnefletschen beantwortend.

Viel verstand er nicht von dem, was der Kaiser sagte, geriet aber sofort in den Bann seiner sprühenden Beredsamkeit und der Energie, die aus jedem seiner Worte, aus jeder Miene auf ihn einströmte.

Er holte auch sofort zur Parade aus und fing an, ebenso lebhaft auf den Kaiser dreinzuparlieren, in einem sonderbar zurechtgestutzten Kauderwelsch, das in seinen eigenen Ohren gar lieblich klang und ihn geradezu stolz machte. Lateinische, polnische und französische Brocken würfelte er dabei kunterbunt durcheinander, in einer Mischung, die ihm sicherlich keiner so leicht nachmachte.

Aber als der Kaiser immer lebhafter wurde und ihn schließlich an einem Knopf seiner Uniform packte und anfing daran zu drehen und zu drehen, da wurde er still.

Das war unheimlich! So ließ er sich denn doch nicht beim Wickel nehmen!

Er horchte genau auf das, was der Kaiser zu ihm hinaufsprudelte – schnappte einige Worte auf und begriff, daß lang und breit von der Elblinie und von den künftigen Grenzen Preußens geredet wurde, wenn auch nicht was, und daß der Kaiser ihm das tägliche Lied seiner Generäle von der ihm zugedachten Rolle als Friedensvermittler jetzt selbst vorleierte.

Da aber das Drehen des Knopfes nicht aufhörte, vielmehr ein Gefühl verursachte, als wühle sich ein Bohrer immer tiefer und tiefer in ihn hinein, da gab’s bei ihm innerlich einen Ruck und ein Sträuben der Haare, wie bei einem Kater angesichts des Hundes. Die Haltung straffte sich, die Blicke sprühten Feuer und Flammen, er wollte schon etwas Kräftiges antworten.

Aber Napoleon wartete es nicht ab. Mit kleinen festen Schritten ging er ein paarmal durchs Zimmer, setzte sich im offenen Fenster aufs Fensterbrett, kam wieder vor und sagte in einem von fast echtem Gefühl vibrierenden Tonfall:

„Mais mon cher – je l’aime, votre patrie! Oui, c’est vrai, j’aime la Prussie!“ Und er setzte noch lang und breit auseinander, wie sehr dieser ganze Krieg wider sein Gefühl [pg 232]sei, und daß es ihm zumute sei, als müsse er mit seiner Rechten seine Linke schlagen, wenn er das ihm so teure Preußen schlüge! Welche echt preußenfreundliche Gesinnung er noch mit einem Händedruck bekräftigte.