„Ist schon recht,“ dachte Blücher, „es gibt Freundschaft und Freundschaft, und wie deine beschaffen ist, damit weiß ich Bescheid! Wenn du denkst, daß ich darum für dein ‚patrie‘ auch nur einen Pfifferling übrig habe, da irrst du dich gewaltig!“

In voller Gemütsruhe ließ er dann noch einen rednerischen Ansturm über sich ergehen, sagte weder ja noch nein, nickte nur dann und wann zustimmend, eingedenk der Mahnung Eisenharts, lieber mit List die sofortige Freiheit zu gewinnen, als sich noch nach Frankreich in Gefangenschaft schicken zu lassen.

Und als Napoleon ihm die Hand zum Abschied reichte, da langte er zu und drückte sie recht herzlich wieder und schmunzelte freundlichst über das ganze Gesicht.

„Ein Teufelskerl ist das!“ sagte er nachher, als er seinen Söhnen und Eisenhart von der Begegnung erzählte. „Ein ganz verfluchter Kerl! Und charmant! Ich dachte bei Gott nicht daran, daß er eigentlich den leibhaften Gottseibeiuns darstellt, dem man schleunigst das Genick brechen müßte! Mehr als einmal hätte ich ihn durchs offene Fenster hinausstoßen können, als er auf dem Fensterbrett saß, wäre ich nur nicht so verflucht gutmütig gewesen, wie wir Deutschen es nun leider immer sind!“

„Wer weiß,“ sagte Eisenhart mit einem spitzbübischen Lächeln, „wer weiß, was für eine gute Gelegenheit Exzellenz da versäumt haben, mit einem raschen Stoß den Krieg zu beenden und Europa eine neue Karte zu geben!“

„Ehrlicher Kampf ist mir lieber“, sagte Blücher. „Und aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Wir werden ihm schon beikommen, wenn er auch ein guter Schauspieler ist und die Kunst versteht, alle Welt dumm zu machen! Das können wir schließlich auch, wenn’s sein muß. Fürs erste probieren wir’s mit Seiner Kriegslist, Eisenhart!“

So wurde es auch gemacht.

Beim Abschiedessen, das der General Le Camus ihm noch am selben Tag gab, hielt Blücher dann eine Rede auf Napoleon und brachte in aller Form seine Gesundheit aus. Allerdings erst nachdem der französische General Preußen und seinen König hatte leben lassen.

Dann aber, als nach vielem Hin und Her, nach langem Warten und endlosem Ärger, endlich der Augenblick da war, in dem er über die Demarkationslinie gehen durfte, während von der anderen Seite der Schatten des gegen ihn ausgewechselten Generals Victor grüßend vorbeihuschte, da war’s mit einem gewissen Gefühl der Erleichterung, daß er seinem getreuen Adlatus und Reisebegleiter zurief: „Los, Eisenhart!“

Und er ließ Eisenhart nicht aus den Augen, als der mit dem General Dänzel leise sprach. Er ärgerte sich aber gewaltig, als der Franzose nur lächelte und befriedigt Beifall nickte, obwohl Eisenhart in aller Form erklärte, mit der Friedensvermittlung Blüchers wäre es nichts – seine ganze Zusage in betreff der Friedensvermittlung wäre nichts als erlaubte Kriegslist gewesen, und man würde dem König von Preußen gute Ratschläge in ganz anderem Sinne zu geben wissen.