Von diesem geschnürten, parfümierten, gut frisierten und schönen jungen Mann waren keine derben Hiebe, keine großen Entschlüsse und vor allem keine Ausdauer zu erhoffen, das wußte er gleich! Und auch, daß mit schönen Worten und Schmeicheleien nach Art der Franzosen von ihm alles zu erreichen wäre.

Seine Zustimmung gab der Kaiser also auf der Stelle, jedoch alles Nähere müsse Blücher mit seinem Oberkommandierenden, dem General von Bennigsen, vereinbaren.

„Mit dem werde ich wohl fertig“, dachte Blücher. „Der ist ja ein Deutscher wie ich!“ Und er ging hin.

Viel Deutsches war aber nicht mehr an dem kleinen russi[pg 237]schen General mit dem bauernschlauen, verschmitzten Gesicht zu entdecken – wenn nicht der Hochmut deutsch ist.

Denn mit unsäglich mitleidsvoller Verachtung blickte er auf Blücher nieder, der ja das Unglück hatte, preußischer Offizier zu sein, was in Bennigsens Augen, nach Jena, ungefähr das allerletzte war! Und dieser hergelaufene alte Husar, der wollte ihm noch ins Handwerk pfuschen – der wollte selbständig kommandieren, auf eigene Faust Krieg mit dem Kaiser Napoleon führen, vor dem seine Landsleute so brav davongelaufen waren?!

Ihm, Bennigsen, käme man nicht mit dergleichen! Ihm, der vor nicht allzulanger Zeit einen Zaren vom Thron gestoßen und dem jetzigen Kaiser die Krone aufs Haupt gesetzt hatte, der also in Rußland – das heißt im größten Reiche der Welt – das Heft in der Hand hielt!

Sein junger Kaiser war da wieder viel zu gutmütig, viel zu liebenswürdig gewesen! Er war ein großes Kind! Er ließ sich von allen möglichen Abenteurern blauen Dunst vormachen, und nachher müßte er, Bennigsen, der einzige von allen Mördern seines Vaters, den er noch um sich duldete, die Sache wieder einrenken!

Das würde er auch jetzt besorgen! –

Die Rechte in die Weste geschoben, die Beine übereinandergeschlagen, der Blick weit über Blücher hinaus in die Ferne schweifend, so stand er da, an den Ofen gelehnt, ließ sich Vortrag halten und geruhte dann in Gnaden zu sagen: die Idee wäre ganz gut, aber vorderhand nicht auszuführen! Sie fordere Vorbereitungen! Und Vorbereitungen, das hieße Zeit haben! Indessen wollte er sich alles genau überlegen!

Worauf Blücher gereizt erwiderte, überlegt und erwogen wäre schon mehr als genug. Wollte man noch damit Zeit vertrödeln, dann ginge inzwischen die günstige Gelegenheit verloren. Napoleon bekäme wieder frische Truppen, Munition und Proviant und würde sicherlich nicht zögern, sofort vorzugehen und die Russen über die Grenze zurückzuwerfen.