Heilige nicht – aber doch umstrahlt von der ewigen Glorie eines freudig geschenkten und ebenso freudig empfangenen und erwiderten Gefühls – das einzige, was dem Leben hienieden den vollen Abglanz der Ewigkeit zu verleihen vermag.
So etwas mochte wohl in den Blicken des alten Frauenverehrers gewesen sein, als er zu seiner jungen, liebreizenden Königin aufblickte. Aber auch, daß sie jetzt war, was die anderen alle nur noch gewesen waren – der Inbegriff all dessen, was das Herz eines Mannes zur Anbetung zwingen kann: Jugend, Schönheit und inniges Gefühl, das locken und necken und kühnem Angriff Abwehr bieten konnte, aber auch, wenn es galt, einen Tanz wagen und freudig mitfliegen mochte – kurz, gerade so bodenständig und unheilig, wie sich das Herz eines alten Husaren die Mutter Gottes vorstellen mag – so und nicht anders! – –
Die Königin verstand wohl auch Gedanken zu lesen, denn vor den feurigen Blicken Blüchers senkten sich ihre Augen, und in ihr Lächeln kam ein Anflug von Spott. Das genügte vollauf, um Blücher auf das gebührende Maß alleruntertänigster Verehrung zurückzuführen.
Als Belohnung befahl die Königin, ihm Tee zu reichen, und tat gnädigst, als merke sie gar nicht, wie er mit der Ge[pg 241]wandtheit eines Taschenspielers den Leinwandlappen, an dem er notgedrungen zupfte, unter dem Tisch in seiner Säbeltasche verschwinden ließ.
„Es ist schön von Ihnen, General,“ sagte sie vielmehr, „daß Sie uns bei unserem Liebeswerk so eifrig helfen wollen!“
Und Blücher in Wahl und Qual zwischen dem Tee und der Scharpie, griff entschlossen nach einem neuen Leinwandstreifen und zog mit viel Mühe einen Faden heraus.
„Wie immer gehorsamst zu Diensten, wenn Majestät befehlen!“ sagte er, eifrig zupfend. „Ich gestatte mir aber alleruntertänigst darauf hinzuweisen, daß es mir bei diesem Liebeswerk viel an der rechten Übung fehlt. Wir Soldaten sind gewohnt, in ganz anderer Weise mit der Scharpie in Berührung zu kommen! Ich meine so, daß sie sich schmerzstillend auf unsere Wunden legt. Und wenn wir dabei der zarten Hände gedenken können, die, von Mitleid bewegt, uns so weiche Wohltat bereiten halfen, das vermehrt die Heilkraft und stillt unsere Schmerzen sicherlich besser, als wenn wir selbst sie zubereitet haben!“
Gesagt, und der zweite Lappen lag beim ersten in seiner Säbeltasche.
Die Königin lächelte.
„Wie schön Sie das auch vorbringen, General,“ sagte sie und schob ihm noch ein paar Streifen zu, „wir erlassen es Ihnen doch nicht, uns zu helfen. Der Wunden gibt es viel mehr als Hände, die Schmerzen zu lindern! Zupfen Sie also brav weiter und erzählen Sie uns dabei von Ihren Irrfahrten –“