„Meine Irrfahrten, Majestät,“ sagte Blücher ernst, „die ergeben sich alle aus einer einzigen unauslöschlichen Schmach, in der wir leider noch leben, und von der ich alleruntertänigst mir zu gestatten bitte, nicht sprechen zu müssen. Es sei denn, daß ich davon sprechen darf, wie wir sie wieder gutmachen. Denn das ist kinderleicht!“

„Meinen Sie?“

„Das meine ich! Nur wollen und wagen und die gute Gelegenheit ausnützen, dann hat’s keine Gefahr. Denn unsere Soldaten – nun, die haben bei Eylau gezeigt, wie sich ein preußischer Soldat schlägt – sie haben da unsere Waffenehre gerettet.“

„Das sind Helden!“ sagte die Königin gerührt. Und Blüchers Augen blitzten.

„Wie die Kerle da zu den Klängen des ‚Alten Dessauer‘ über die Schneefelder Sturm liefen, daß die Bajonette im Abendsonnenschein blitzten!“ sagte er begeistert. „Ich kann’s sehen, als wäre ich dabei gewesen, wie sie mit der Gewalt einer Meeresbrandung alles vor sich herfegten – ich kann den Donner ihrer siegenden Hurrarufe hören –, und das, Majestät, das tut meinem Herzen wohl, nach all der Schmach!“

Er zupfte wieder ein paar Fäden und verbiß die Rührung.

„Und was ich jetzt von Kolberg höre,“ sagte er dann, „von den kühnen Ausfällen Schills, von seinen Streifzügen, von dem heldenmütigen Geist der Bürgerschaft, die von der Aufgabe der Festung nichts wissen wollte. So hätte es überall sein müssen, die Leute hätten sich nur mit der Bitte um andere Kommandanten an den König wenden sollen, da hätten wir alle unsere Festungen noch. Denn es gibt unter uns mehr solche Leute wie der Major Gneisenau, der sich jetzt so brav in Kolberg hält. Aber – – wenn man bedenkt, daß die vierzehn preußischen Generäle, die in Magdeburg gefangen wurden, zusammen dreizehnhundert Jahre alt waren – da ist’s kein Wunder!“

Die Königin lächelte.

„Es können nicht alle so jung sein wie Sie, General“, sagte sie mit sanfter Anspielung auf seine fünfundsechzig Jahre.

„Gewiß nicht, Majestät“, antwortete Blücher unbefangen. „Aber wenn wir jungen Leute nicht die vielen Vordermänner gehabt hätten, dann hätten wir ein Kom[pg 243]mando gehabt und Gelegenheit, manches anders und vielleicht auch besser zu machen!“