Blücher fügte sich und zupfte brav eine Weile und dachte dabei zurück an die Friedenszeit in Münster, mit der vielen unfreiwilligen Schreibarbeit, in der er damals nicht allzu eifrig mit seinem Freunde Stein wetteiferte!
Ob Stein es sich wohl auch mitten im Krieg gefallen lassen würde, acht Tage hintereinander Tee zu trinken und Scharpie zu zupfen, statt seine Pläne zum Wohle des Staates mit aller Energie auszuführen?
Er lachte innerlich bei dem Gedanken an seinen schroffen, stämmigen alten Freund, den wohl nicht einmal der Liebreiz der Königin Luise gezwungen haben würde, so galant zu sein!
Stein hatte übrigens jedem Mißbrauch seiner Kraft vorgebeugt. Er hatte seine Meinung offen und ungeschminkt dem König ins Gesicht gesagt und seine Strafe empfangen – war ungnädig entlassen worden, gerade jetzt, wo er mehr denn je nötig war.
Der Gedanke machte Blücher zornig. Er knüllte den Lappen in der Hand zusammen, hob, ohne diesmal zu schmuggeln, seine Säbeltasche hoch, schob mit trotziger Energie die Hand hinein und tat ohne Umschweife den Lappen zu den anderen.
„Ei, die schöne Säbeltasche!“ sagte die Königin. „Geben Sie her, General! Die muß ich mir genau ansehen!“
Und Blücher hakte gehorsamst die Säbeltasche los und überreichte sie seiner hohen Gebieterin.
Die Königin nahm sie, betrachtete sie genau, drehte und wandte sie nach allen Seiten, untersuchte, wie sie zu öffnen sei, blickte auch hinein und fand ihre geraubten Leinwandfetzen drin hübsch säuberlich beieinanderliegen.
„Ach sieh“, sagte sie hold lächelnd und hielt ihren wiedergewonnenen Schatz hoch. „Seht nur den braven General Blücher! Nicht genug, daß er sich hier bei uns im Dienste der Nächstenliebe bemüht, er will sich auch zu Hause weiter betätigen – er hat sich Arbeit mitgenommen! Fürwahr, ein leuchtendes Beispiel ritterlichen Opfermuts. Indes, das dürfen wir nicht annehmen. Die Leinenstreifen behalten wir hier. Sie werden doch nicht darum kommen, sie zu zupfen, General! Wir heben sie Ihnen bis morgen auf, wo wir Sie wiederum zum Tee und Scharpiezupfen erwarten!“
Worauf die Königin die Säbeltasche zurückgab, die Leinwandstreifen vor sich auf den Tisch legte und sie ausglättete.