So wie er verstände es keiner, mit durchblickendem Scharfblick jede Situation sofort bis auf den Grund zu erschöpfen, den springenden Moment zu erfassen und gleich zu entscheiden, was in jedem Fall zu tun – gewesen wäre.

Denn das wußte er. Den Treppenwitz hatte er. Nachher – aber erst dann – geruhte Seine Zarische Majestät die Erkenntnis Ihrer Allweisheit kundzutun, wenn seine Generäle schon mit echt russischer Schlamperei die Schlachten verloren und die Feldzüge verbummelt hatten. Denn das verstanden sie.

Und der Zar war großmütig, der Zar war gnädig. Er war eine Seele von Mensch und schlug ihnen nicht die Köpfe ab. Er dachte mit Gleichmut: ein anderes Mal, wenn Gott ihnen eine nüchterne Stunde gibt, da erobern sie mir die Welt! Und winkte herablassend gleichgültig, lächelte kalt, behielt die Haltung und sagte: „Nitschewo!“

Trotzdem mochten die Generäle ihn nicht bei der Armee haben und taten ihr möglichstes, um ihm den Aufenthalt dort zu verekeln. Aber umsonst.

Sie hatten seinen Busenfreund Czartoryski aufgewiegelt, ihm die Hölle heiß zu machen.

Der Gute setzte ihm auch brav zu und bewies ihm haarklein, daß er, der Zar, bei seiner eigenen Armee nichts zu suchen hätte. Sein Platz wäre in Petersburg, sein Amt das Regieren. In der Führung von Armeen hätte er gar keine Übung, er wäre zu jung, zu unerfahren und was noch alles!

Der Zar hatte wohl kalt gelächelt und „nitschewo“ gesagt. Aber wären nicht die anderen guten Freunde gewesen, er hätte sich vielleicht doch gefügt!

Er, der Zar, hätte sich von seinen eigenen Offizieren wie ein Schulbube nach Hause schicken lassen.

Aber Dolgorucki hatte ihn bei der Ehre zu packen verstanden! Er hatte ihn an den altrussischen Waffenruhm erinnert, dessen erster Hüter er jetzt sein müßte! Er hatte ihm haarklein bewiesen, daß nicht Gelehrtheit, nicht Erfahrung, sondern einzig und allein die faszinierende Persönlichkeit die Soldaten zur todesverachtenden Tapferkeit hinreißen und Schlachten gewinnen könnte. Und diese Fähigkeit, beim ersten Erscheinen die Leute hinzureißen, die hatte er, Alexander, wie kein Zar vor ihm! Er brauchte sich nur zu zeigen, und alles war Feuer und Flamme!

Dies und noch viel mehr ging dem Zaren durch den Kopf, als er die nüchternen Ausführungen des sonst so wortkargen und gar nicht unterhaltsamen Königs von Preußen über sich ergehen lassen mußte. Er blickte dabei lächelnd und über seine elegante Erscheinung äußerst befriedigt in den Spiegel gegenüber, der ihm getreulich half, die Miene eines aufmerksamen Zuhörers zurechtzulegen, und ihn auch dadurch schließlich so weit brachte, ein wenig zuzuhören.