Mit staunender Bewunderung zu Napoleon emporzublicken, war bei der überragenden Körperlänge Alexanders nicht gut möglich. Das fiel also von selbst fort.

Aber die Sicherheit, die gewinnende Liebenswürdigkeit und die natürliche Würde, mit der Napoleon sich gab, imponierten nicht weniger als die gewaltigen Erfolge, von denen er getragen wurde.

Er begriff sofort: dem Manne konnte man nichts vormachen, da würde die geplante Komödie keine Wirkung haben, und jeder Versuch, überlegen zu tun, wäre bei ihm schlecht am Platze.

Mit schnellem Blick hatte Napoleon seinen Gast eingeschätzt. Eitel, oberflächlich, unzuverlässig, gerade so hatte er sich ihn vorgestellt! Gerade so konnte er ihn gut gebrauchen! Ein vielversprechender junger Mann!

Alexander sah, daß er dem Kaiser gefiel, und schäumte sofort von Herzlichkeit über.

„Warum“, rief er, „müssen wir zwei miteinander Krieg führen?“

„Seine Majestät, der Kaiser von Rußland, haben eben“, antwortete Napoleon verbindlich lächelnd, „sich dazu verleiten lassen, undankbare und eifersüchtige Nachbarn, wie die Deutschen, zu schützen, und den Interessen habsüchtiger Kaufleute, wie die der Engländer, zu dienen!“

Alexander fand sich bemüßigt, sich auf die Lippen zu beißen, und Napoleon beeilte sich, den Eindruck seines Vorwurfs schnell zu verwischen.

„Den Bundesgenossen Englands bekämpfte ich in Eurer Majestät, niemals aber den Gebieter des großmächtigen Rußlands!“

Alexander horchte auf.