„Das müssen Sie“, erwiderte Napoleon. „Und was Ihren dritten Verbündeten, Preußen, betrifft –“

Alexander ließ anstandshalber einen nicht allzu schweren Seufzer hören, schwach genug, um Preußen nicht zu viele Provinzen zu retten.

„Hand aufs Herz, Sire,“ sagte Napoleon, der auch das nicht überhörte, „Rußland kann nichts als Vorteile davon haben, wenn ich die deutschen Hauptmächte gehörig schwäche!“

Alexander murmelte undeutlich etwas von Ehrensache.

„Ich gebe zu, daß Sie Preußen gegenüber mit Ihrer Ehre engagiert sind“, sagte Napoleon. „Um Ihre Ehre zu retten und Sie frei zu machen, bin ich auch bereit, Preußen gegenüber Zugeständnisse zu machen.

Preußen hat meine Warnung, sich nicht auf englische Intrigen einzulassen, verachtet, es hat verdient, vernichtet zu werden. Jedoch aus Freundschaft für Rußland will ich mich damit begnügen, daß es mir seine polnischen Provinzen, alles Land links der Elbe und Hannover abtritt, seine Armee [pg 261]reduziert und eine Kriegskontribution zahlt. Doch davon später. Die Hauptsache für Sie wie für mich ist der Orient.“

Alexander machte eine unfreiwillige Bewegung. Der Traum aller Russenherrscher von der Herrschaft über Konstantinopel tauchte wie eine Fata Morgana vor seiner Phantasie auf.

„Sie sind der Verbündete der Türkei,“ sagte er schnell, „Sie haben mir gegenüber dem Sultan seinen Besitzstand garantiert, Sie haben sogar von Preußen verlangt, jeden Angriff Rußlands auf die Türkei als Kriegsgrund zu betrachten!“

„Ganz recht“, sagte Napoleon. „Aber mein Verbündeter, der Sultan Selim, ist soeben, wie Sie wissen, wegen seines Bündnisses mit mir entthront worden. Sein Nachfolger Mustapha muß also mein Feind sein. Sie sehen, ich bin frei. Nichts hindert mich also, bei meinen Verbündeten die gleiche Vermittlerrolle zu Ihren Gunsten zu spielen, die Sie mir zuliebe bei Ihrem englischen Alliierten spielen werden. Ihre Rolle bringt Ihnen Finnland ein. Meine wird Ihren Gewinn noch um die Donaumündungen vermehren. Ich werde bei der Türkei die Ansprüche Rußlands auf die Moldau und die Walachei in aller Freundlichkeit, aber mit Nachdruck geltend machen. Weigert sich die Hohe Pforte – und sie muß es –, so ergibt sich daraus Krieg. Nach dem Krieg die Teilung.“

„Und die Teilung?“ fragte Alexander aufgeregt.