Napoleon, der gerade beim Verschenken war und dem Zaren großmütig schon den dritten Teil von Schweden zugestanden hatte, schnitt nun einen geraumen Teil aus dem Leibe der Türkei und gab Alexander Bessarabien, die Moldau, die Walachei und Bulgarien – das letztere aber nur bis zum Balkan.

„Und Konstantinopel?“ fragte Alexander immer aufgeregter.

Napoleon überhörte es und stellte erst in aller Ruhe den Anteil Frankreichs fest. Er wollte sich mit den türkischen Seeprovinzen begnügen und also Albanien, Thessalien, [pg 262]Morea, Kandia und die Inseln des Archipels nehmen. Österreich müsse man wohl zur Beruhigung und als Entschädigung für andere verlorene Provinzen Serbien und Bosnien zugestehen.

„Und Konstantinopel?“ fragte Alexander noch einmal mit Nachdruck.

Aber Napoleon überhörte es wieder.

Er fing an, dem eitlen jungen Mann eine Menge wohlberechnete Komplimente zu sagen.

Er ging aus sich heraus, er wurde herzlich und sogar warm, erklärte ihm seine ganze Sympathie, seinen heißen Wunsch, ihn als den ersten unter seinen Freunden betrachten zu können, und forderte ihn schließlich auf, nach Tilsit überzusiedeln, damit sie sich alle Tage ohne Zeugen sehen und sprechen könnten.

„Wir zwei erledigen dann in ein paar Stunden das, wozu unsere superklugen Herren Minister sonst Wochen nötig haben! Zwischen uns beiden darf es eben nichts Trennendes geben – gar niemand – gar nichts!“

„Nein, gar nichts, Sire!“ antwortete Alexander eifrig. „Also – Konstantinopel?“

Er ließ dabei seine Hand schwer auf den Tisch fallen, als wäre der Tisch Konstantinopel und nähme er jetzt endgültig von ihm Besitz.