Napoleon mußte endlich seine Schwerhörigkeit aufgeben.
„Konstantinopel?“ sagte auch er und legte seine Hand noch schwerer auf den Tisch, zog die Stirn in tiefe Falten und wandte den Blick nach innen. Fast tonlos wiederholte er dann halblaut, wie für sich selber, indem er den Kopf schüttelte: „Konstantinopel – nein – – – nein, niemals! Das wäre die Alleinherrschaft über die Welt!“ – – –
Er blieb so einen Augenblick sinnend stehen, die Augen gesenkt, blickte dann plötzlich auf, sah die Enttäuschung auf dem Gesicht des Zaren, begriff, daß er ihm den ganzen übrigen Orient nehmen könnte, wenn er ihm nur Konstantinopel zugestehen würde, und beeilte sich, es wieder gutzumachen.
„Nun,“ sagte er und verzog die Mundwinkel zu einem kaum merkbaren Lächeln, während das ganze übrige Gesicht in steinerner Ruhe verharrte, „nun – darüber läßt sich vielleicht noch reden! – Zwischen uns beiden darf es eben nichts geben – gar nichts, was uns trennt!“
Und er blickte zum Zaren auf, holte mit der Hand aus, nahm mit Energie einen Schritt zurück und trat dabei der Maus, die sich, von dem schweren Schlag auf den Tisch aufgeschreckt, nach einem anderen Zufluchtsort umsah, unversehens auf den Schwanz.
Ein leises Quieken wurde hörbar, und schnell wie der Blitz schoß die graue Maus an seinem Fuß vorbei auf den Zaren zu, machte dort rasch kehrt und verschwand wieder unter der schützenden Tischdecke.
Napoleon schrieb den Brettern und Bohlen des Flosses das Quieken zu und blickte gar nicht hin.
Aber Alexander hatte die Maus gesehen und wich erschreckt zurück.
Eine Maus – das bedeutet Unglück, Entfremdung und Feindschaft!
Wie der Schatten eines fliegenden Vogels, so schnell war sie zwischen ihm und Napoleon vorbeigehuscht, eben in dem Augenblick, als er versicherte: „Nichts darf zwischen uns kommen!“