Der Herr der Welt hatte es nicht einmal in seiner Gewalt gehabt, jenes armselige Wesen daran zu hindern, sein Machtwort Lügen zu strafen! Wie würde er dann wohl verhüten können, daß etwas Ernsthaftes sich zwischen sie beide schleichen würde!?

Die Teilung einer Welt, an der auch die Mäuse, wenn auch noch so bescheiden, Anspruch auf Beteiligung erheben konnten, war dem Zaren für den Augenblick verleidet. Seine zartbesaitete Seele war nicht für derartige dunkle Genossen gestimmt. Er schwieg von Konstantinopel, begnügte sich vorläufig mit Napoleons halber Zusage, ließ noch anstandshalber ein Wort für den armen König von Preußen fallen, den er am nächsten Tag hier auf demselben neutralen, wenn [pg 264]auch schwankenden Boden Napoleon vorstellen wollte, versprach nach Tilsit überzusiedeln, nahm den Kaiser am Arm, ging mit ihm hinaus, führte ihm nochmals seinen Bruder und sein Gefolge in Freiheit dressiert vor, sagte den goldstrotzenden französischen Marschällen einige wohlüberlegte Artigkeiten, fiel dann wieder seinem Cousin Napoleon um den Hals, empfing auf beiden Backen den obligaten Abschiedskuß und gab ihn getreulich wieder. Er bestieg dann seine Barke, Napoleon die seine, und so ruderten sie wieder dahin zurück, woher sie gekommen waren, unter dem Donner der Kanonen und den Hurrarufen ihrer Soldaten, die jetzt ebenso bereit waren, sich zuzujubeln, wie vor einigen Tagen sich gegenseitig zu zerfleischen.

*

„Weiß Er was, Gneisenau,“ sagte Blücher und zeigte auf den Berg von Geschriebenem, der auf seinem Schreibtisch ragte, „weiß Er, was das ist?“

„Nun?“

„Das sind meine Kanonen – das ist mein Pulver, meine Flinten und die scharfen Hiebe, die ich jetzt noch austeile. Akten, Gneisenau – Akten! Staubiges, tintiges Papier – krumme Gedanken weitschweifig hingekraxelt – fades Geschleime müder Gehirne – keine Fanfaren, die zum Angriff rufen – kein klares Kommando vorwärtszusausen, die Sache beim Schopf zu packen und rasch in Ordnung zu bringen! Ein müdes Hinschleppen ist’s, ein tristes Schleichen, ein schlürfendes Leisetreten, ein banges Zurückweichen, ein scheues Schielen um alle Ecken, ehe man den Fuß hinzusetzen wagt! Gott verdamm’ mich, wenn ich bloß daran denke, tritt mir die Galle über! Schmidt, ’n frischen Piep!“

Er streckte die Hand mit der ausgebrannten Tonpfeife hinter sich, ohne sich umzusehen.

Der Kammerhusar Schmidt nahm die Pfeife, ging hinaus und kam gleich wieder herein mit einer frisch angebrannten zwischen den Lippen, paffte wie ein Schornstein, bis sie [pg 265]gut in Gang war, nahm sie dann aus dem Mund und steckte sie Blücher unter den Schnurrbart.

Blücher qualmte und rauchte, was das Zeug hielt, und legte dann gleich wieder los.

„Ich hatte mir das ganz anders vorgestellt, als man mich zum Generalgouverneur von Pommern machte und mir das Kommando hier gab!