Erst stibitze ich mir das bißchen Pommern zusammen, dachte ich, bis ich es ganz habe. Dann die Mark Brandenburg dazu – dann Westfalen und Sachsen und all das andere, bis ich Preußen wieder zusammengeflickt habe! So hab’ ich’ s mir gedacht! Und das wäre im Handumdrehen gemacht, hätte man mich nur gewähren lassen! Aber man wagt nicht – man schläft! Schwerenot! – Ich muß hier sitzen und Akten produzieren und dummes Geschreibsel fressen, statt etwas Nützliches zu tun. Und jetzt gar noch andere richten, die so kühn waren, ohne Befehl loszuschlagen, um das Vaterland zu retten! Das,“ sagte er und ließ seine Hand schwer auf die Akten fallen, „das ist alles, was Schill mit seinem tollkühnen Losbrechen an greifbarem Gut erreicht hat – alles, was er und seine Leute mit ihrem Blut erstritten haben –, dieser Berg von geschriebenem Papier, den ich jetzt fressen muß. Der Aktenwust ist ja auch ein ganz großes Stück vom Vaterland, das ist nicht zu leugnen, das beste aber nicht! Und meinetwegen könnte das der Teufel gern holen! Je eher, je lieber!

Ist’s aber erhört, mich zum Richter in so ’ner Sache zu machen? Wie? Gerade mich, der ich doch immer auf dem Sprung stand, genau wie Schill loszubrechen! Nun – das weiß Er doch am besten, Gneisenau!“

„Das weiß ich“, antwortete der Angeredete. „Aber die anderen nicht!“

„Nun, ist das eine Art, mich zu zwingen, gewissermaßen in eigener Sache hier zu richten?! Ich komme mir als Richter direkt befangen vor!“

„Mir auch!“ erwiderte Gneisenau.

„Nun, dann bleibe ich auch dabei! Ich bleibe ehrlich [pg 266]befangen und werde mein Bestes tun, um die armen Kerle herauszuhauen!“

„Da denken Exzellenz ganz recht!“

„Für einen Schildbürger ist Er ganz helle, Gneisenau, und versteht mich ganz gut. Nun, Er ist ja nicht nur in Schilda geboren, Er ist auch von den Jesuiten erzogen, und da hat Er’s wohl her! Dafür bin ich Freimaurer und helfe, wo ich helfen kann. Die armen Kerle haben brav ihr Blut für’s Vaterland verspritzt, und das soll ihnen unvergessen bleiben.“

„Wie viele sind es?“ fragte Gneisenau.

„An die neunhundert werden’s wohl sein. Allerdings, was dem Herrn Napoleon in die Klauen fiel, kann ich nicht retten. Ich denke aber, wir brechen einmal die Ketten, mit denen der Hund sie an seine Galeeren schmieden ließ. Und unsere herrlichen Jungens, die er auf den Wällen Wesels niederknallen ließ – solange auf deutscher Erde ein Herz noch schlägt, werden die Schillschen Offiziere drin ein Ehrendenkmal haben. Ein stilles Glas ihrem Andenken!“