Sie tranken aus und blickten eine Weile schweigend vor sich hin.
Blücher ging auf und ab und betrachtete dann und wann den jungen Obersten, der vor ihm saß. Schlank, elegant bis in die Fingerspitzen ein vollendeter Weltmann, mit einem feinen, frischen, sympathischen Gesicht, dessen lebhaftes, stets bewegliches Mienenspiel ein reiches inneres Leben widerspiegelte.
„Er hat es sich leicht gemacht, Gneisenau“, sagte Blücher dann, setzte sich und goß sich wieder ein Glas voll. „Er hat seine Arbeit getan, und nun, wo Stein und Scharnhorst von ihren Stellen haben weichen müssen, da geht Er auch. Da macht Er nicht mehr mit, treibt sich draußen in England rum, hat sein flottes vergnügtes Leben und läßt der Welt ihren Lauf!“
„Wer weiß, wozu es gut ist“, lachte Gneisenau wieder. „Am Ende bin ich auch unterwegs meinem Vaterland nützlich.“
„Das bleibt einem ja auch so unbenommen“, meinte Blücher. „Wenn’s so weitergeht, wie jetzt hier zu Hause, dann gehe ich auch in ausländische Dienste!“
Und damit ließ er ein Ungewitter los gegen die verfluchte Schlamperei und gegen das bange Ausweichen vor den Anmaßungen Napoleons.
Zunächst war es Stein, der, kaum ins Amt gekommen, auf Befehl des Allgewaltigen hatte gehen müssen, allerdings nachdem er in den vierzehn Monaten seiner Dienstzeit Preußen von Grund aus umgekrempelt hatte. Bis auf die Volksvertretung hatte er alle Pläne zur Umorganisation der Verwaltung durchgeführt, die er seinerzeit mit Blücher in Münster besprochen hatte, und mit der Heeresorganisationskommission zusammen, die Scharnhorst leitete, das Heer auf Grund der allgemeinen Dienstpflicht neugeordnet.
Jetzt war er ob seiner Tüchtigkeit von Napoleon geächtet worden, und Hardenberg, den der allgewaltige Gebieter Europas einst als Friedensunterhändler und Staatsminister in Tilsit abgelehnt hatte, war wieder in Gnaden von ihm aufgenommen und als Staatskanzler des Königs von Preußen zugelassen worden.
Alles wurde durchgekramt und genau erörtert, auch wurde im Flüsterton die geheime Mission besprochen, die Gneisenau im Auftrag des Auswärtigen Amtes auf seiner Reise in England ausführen sollte.
Da kam Blüchers Sohn und Adjutant hinzu und meldete dem Vater, der Graf von Gottorp wäre von Kolberg aus hier in Treptow angekommen.