Leute wie die seinen hätten es aber nicht nötig gehabt, unnütz zu sterben, hätte ihr Führer nicht den Schuß Melan[pg 275]cholie in der Seele gehabt, für die der Schwedenkönig eine so feine Witterung hatte.
Denke Er sich nur: Schill, dieser Brausekopf, dieser Sausewind, für den es nichts Unmögliches gab – dieser Tausendsasa, dieser Lausbub, der durch seine kühnen Husarenstreiche schon als junger Mensch zu einer sagenhaften Gestalt emporgewachsen war, und der auch mit Recht die Ehrung verdiente, an der Spitze unseres Heeres in Berlin einzuziehen – dieser Strauchdieb von einem Herzensbrecher, der sich nur zu zeigen brauchte, und alles jubelte und jauchzte ihm zu – dieser tolle Junge, der die Keckheit hatte, als alles andere sich ängstlich davor drückte, auf eigene Faust hin und allein den Krieg mit Napoleon anzufangen – der verliert auf einmal mitten im Kampfe den Kopf, verliert den Mut und gibt alles auf!
Das mag wer will als plötzliche Reue auslegen! Ich nicht!
Ich glaube – und das spreche ich offen aus: an dem Manne ist ein Verbrechen begangen worden!
Man hat ihn glauben gemacht, der König billige im geheimen sein Unternehmen, dürfe sich aber nicht offen für ihn erklären, bis alles gut in Gang wäre.
Und als die Umstände allerseits ungünstig wurden und das Glück sich gegen Schill entschied, da ließ man ihn kläglich fallen.
Er hatte eben Pech – dreifaches Pech.
Erst die Mitstreiter hier zu Hause, die ihm draußen im Volke den Boden bereiten sollten, und es schlecht taten. Dann die Österreicher – Herrgottsakra, wenn ich an die denke, da kriege ich einen roten Kopf!
Die haben den Napoleon aufs Haupt geschlagen – sie haben ihn, nach Aspern, in der Mausefalle auf der Insel Lobau, mitsamt seiner ganzen Armee, abgeschnitten, ohne Verbindungen, ohne Brücken, und sie greifen nicht zu, sie machen ihm nicht den Garaus – sie lassen dem Hund noch wochenlang Zeit, sich aus der Patsche zu ziehen, und warten geduldig, bis er aus seinem Rattenloch herauskriecht und [pg 276]ihnen selbst einen Hieb auf den Kopf versetzt! So ’ne niederträchtige Schlamperei war noch nicht da!
Die Kunde von ihrer Niederlage bei Wagram war für Schill ein schwerer Schlag.