Daß aber sein eigener König sich dann auch gegen ihn erklärte und ihn gar mit einem Kriegsgericht wegen Insubordination bedrohte, daß der Monarch selbst, an dessen geheime Unterstützung man überall im Lande glaubte, nun diese Behauptung Schills Lügen strafte, das zog ihm den Boden unter den Füßen weg.
Aber er hätte doch nicht den Kopf verlieren müssen! Er hätte nicht zögern sollen, nach England zu gehen, ehe es zu spät wurde! – Er hätte sich sofort nach dem nächsten Hafen aufmachen und an Bord gehen müssen, um draußen in Spanien gegen den Franzmann zu kämpfen!
Nun, er hat seine Saumseligkeit mit dem Leben gebüßt! Ein Hundsfott, wer dafür auf seine tote Asche auch nur den Schatten eines Vorwurfs kommen läßt!
Es hätte aber alles anders kommen können und müssen, wenn man bei uns nur gleich zugegriffen hätte! Wer weiß – wenn die Österreicher gesehen hätten, daß wir Ernst machten, dann hätten sie am Ende den Napoleon doch noch beim Schlafittchen gepackt und die gute Gelegenheit benutzt, das welsche Unkraut mit Stumpf und Stiel auszurotten.
Ich habe ja damals den König gebeten – ich habe gebettelt und gefleht, ‚laß mich nur, gerade jetzt, mit meinem Korps über die Elbe gehen! Mit meinem Kopf stehe ich dafür ein, daß wir dann unsere Provinzen wiederhaben!‘ Die hätten wir auch! Ich hätte drüben alles in Feuer und Flammen gesetzt, und die Unternehmungen von Schill und Dörnberg und Braunschweig wären nicht nutzlos vertan gewesen!
Aber man hat nicht den Mut gehabt! Seitdem unsere gute Königin starb, ist es ganz verdreht!
Himmelsakra – mir war dann der mit der Apokalypse am Ende doch lieber! Obwohl er in seinem Haß gegen Napoleon weiter nichts war als ein kläglicher Don Quichotte, der [pg 277]gegen apokalyptische Windmühlen ritt. So etwas ist aber am Ende mit Schlauheit zu lenken!
Wenn ich aber daran denke, daß unser guter König einmal auch so von Tür zu Tür wandern müßte, Obdach suchen – – –! Das kann noch kommen, Gneisenau – das kann noch kommen, wenn’s so weitergeht, und wenn er die Zeichen der Zeit nicht besser versteht! Denn wenn er selbst nicht will, Gneisenau –, wenn er nicht will –, und wenn wir wollen! Und wir sind jetzt proppvoll geladen! – Und wenn wir dann ohne Befehl losplatzen, wer spricht da von Insubordination? Schockschwerenot! Wozu sind wir auch schließlich da?
Ich werde wohl von Tür zu Tür mitgehen, wenn’s soweit mit ihm ist?! Nee – mein Leben gebe ich jederzeit für den König her! Aber so ’ne Bettelei mache ich nicht mit!
Die französischen Sklavenketten mag tragen wer will –, ich trage sie nicht! Ich sag’s ganz offen, und wenn man mir zehnmal den Mund verbietet! Warum nicht auch? Wozu schüttelt Er den Kopf? Soll das auch ‚Insubordination‘ heißen!?