„Faule Ausreden, Herr!“ schrie Blücher ihn jetzt direkt an. „Der Herr Napoleon soll eben keine Löcher zum Durchbrechen haben! Die sollen ihm verstopft werden, und dann wird er in die Pfanne gehauen! Verstanden?! In drei Teufels Namen, Rühle, mache Er’s doch dem Kerl verständlich! Aber wörtlich und ohne Umschweife!“
Das machte der Major, aber immer noch in seiner gewohnten diplomatischen Weise. Worauf Bernadotte antwortete: Es wäre gescheiter, wenn Blücher mit seiner Armee, die doch am weitesten vorn stünde, sich nach links schieben würde und ihm überließe, mit der Nordarmee in seine Stellungen einzurücken.
„Das ist ’ne Unverschämtheit!“ schrie Blücher. „Das Schlachtfeld, das ich und meine Armee mit unserem Blute getränkt haben, sollten wir, bloß zu seiner Bequemlichkeit, dem Laffen überlassen! Hol’ ihn der Teufel, aber wenn er [pg 330]mir mit derartigem kommt, kann er noch an mir etwas erleben!“
Prinz Wilhelm legte sich jetzt ins Mittel und beruhigte den Alten. Inzwischen wurde Blüchers Ablehnung ins Französische übertragen. Und in der Sprache klingt ja alles viel höflicher und liebenswürdiger, als es gemeint ist!
Bernadotte verschloß sich nicht den guten Gründen, die Blücher für seine Ablehnung anführte, und erklärte sich schließlich bereit, den Linksabmarsch vorzunehmen und noch heute in die Schlacht einzugreifen, wenn Blücher ihm 30 000 Mann seiner Armee noch unterstellen würde. Das ganze Korps Langeron verlangte er von Blücher zu seiner Verstärkung. Er wollte dann gleich eine Meile flußaufwärts gehen und bei Taucha, wo gute Brücken waren, die Parthe überschreiten.
„Da kommt er doch erst nachmittags an den Feind heran“, rief Blücher, sich wieder ereifernd. „Wie kann einer so saudumm sein? Geradeswegs durch den Fluß soll er! Sag’s ihm doch, Rühle! Geradeaus von hier geht sein Weg! Das weiß der Gauner ebensogut wie ich! Er will sich nur drücken! Herrgottsakra! Das ist nicht mehr Dummheit! Das ist Niedertracht! Ich werde ihm die 30 000 Mann geben! Er soll sie haben um des lieben Friedens Willen, damit er endlich aus dem Krieg Ernst macht! Ich schlage mich ebensogut mit dem Rest allein! Aber er soll zumachen! Sofort auf der Stelle vorwärts! Das ist Bedingung! Sonst nehme ich ihm gleich meine Leute wieder fort!
Bernadotte blickte fragend auf den Major. Er verstand, daß Blücher einwilligte, aber auch, daß er schimpfte.
„Der General ist so ungeduldig“, bemerkte er herablassend. „Er hat’s wohl eilig? Nun gut! Gehen wir gleich in mein Quartier, setzen wir auf der Stelle unsere Vereinbarung schriftlich auf!“
Aus dem Süden von Leipzig hörte man jetzt schon Kanonendonner, und Blücher konnte kaum noch seine Ungeduld meistern, während Rühle ihm Bernadottes Worte übersetzte.
„Schriftlich will der’s auch noch?! Der Teufel auch! Es ist schon zuviel, wenn ich’s ihm mündlich versprochen habe! Er soll mir den Puckel herunterrutschen!“