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Es war am Montag, dem 18. Oktober 1813.
Auf dem Colmberg hinter Liebertwolkwitz, südlich von Leipzig, ging es lebhaft zu.
Dort war für den heutigen Schlachttag der Monarchenhügel, von dem aus die drei verbündeten Herrscher Öster[pg 332]reichs, Preußens und Rußlands den Fortgang der Schlacht beobachteten, oder wie sie dachten – leiten wollten.
Drei nebeneinander aufgepflanzte Standarten in den Farben der Monarchen bezeichneten den Standort der Allerhöchsten Dreieinigkeit.
Adjutanten, Ordonnanzen und Stallmeister eilten hin und her und brachten Meldungen oder empfingen Weisungen. Auf kleinen Tischen lagen Karten und Bestecke ausgebreitet. Furiere und Lakaien packten die Frühstückskörbe aus, entkorkten Weinflaschen und bereiteten, an rasch gemachten Feuern, den Tee. Im Hintergrund wurden die Hohen und Allerhöchsten Leibpferde hin und her geführt.
Ganz vorne lagen in drei bequemen, etwas auseinandergerückten Feldstühlen die drei Gewaltigen, von Generalstabsoffizieren aufgewartet, die den erklärenden Text zum Schauspiel sprachen und die Befehle der Majestäten empfingen, wenn ihnen Eingebungen von oben kamen.
Ein glänzendes Gefolge bildete den Hintergrund zur Monarchengruppe und gleichzeitig die Kulisse, hinter der die Geschäftigkeit der niederen Dienerschaft sich ungeniert breitmachen konnte.
Da waren die königlich-preußischen Generalmajore Freiherr von Hacke und Freiherr von Knesebeck – der k. u. k. Feldmarschalleutnant Ritter von Kutschera, der gleichfalls k. u. k. österreichische Oberstleutnant Graf Waldstein-Wartenberg, der unter seinen Ahnen gar einen Wallenstein hatte, die russischen Generäle Fürst Wolkonsky und Graf Ovaroff, alles gewaltige Helden und Schlachtenlenker, die tausendmal besser wußten, wie auf dem Schlachtfeld alles gemacht werden sollte, als die, die es tatsächlich machten. Zuletzt, aber doch nicht der Letzte im Kreise, der königlich-großbritannische Generalleutnant Charles William Stewart, der geheime Drahtzieher des von England bezahlten, von ihm erlaubten und in seinem ureigensten Interesse geführten Befreiungskrieges, der es mit dem Sturz Napoleons vom Alp der Kontinentalsperre befreien sollte.
Der Kaiser Alexander war in den sieben Jahren seit Tilsit fülliger geworden. Seine jünglingshafte Gestalt war einer gewissen selbstbewußten Männlichkeit gewichen, die noch mehr vom Nimbus eines großen Kriegshelden umstrahlt wurde, seitdem sein Glück ihm den Sieg des russischen Winters über den bis dahin unbesiegten größten Feldherrn seiner Zeit in den Schoß geworfen hatte.