Ein Adjutant kam eiligst die Treppe herauf, den Korridor entlang und auf die Tür zu. Die Wachen präsentierten.

Der Adjutant streckte die Hand nach der Klinke aus. Da öffnete sich die Tür, ein paar Ordonnanzen kamen eiligst heraus, die zusammengefalteten Zettel mit den soeben vom Kaiser diktierten Befehlen in der Hand, salutierten und eilten die Treppe hinunter.

Gleich hinter ihnen trat Napoleon aus der Tür heraus, den grauen Mantel noch offen, den dreieckigen schwarzen Hut auf dem Kopf. In seinem Gefolge waren Berthier und Caulaincourt.

Der Adjutant grüßte.

„Sire, es ist höchste Zeit. Die Kosaken sind in der Stadt!“

Napoleon machte eine abwehrende Bewegung mit der Hand, ging an das Fenster gegenüber und blickte, die Arme über die Brust verschränkt, über die Stadt und die Gegend hinaus.

Wie oft hatte er nicht über diese Hügel, über diesen Fluß, diese Wälder geblickt, als er noch Zögling der Königlichen Kriegsschule hier zu Brienne war!

Von hier aus hatte seine Meteorenlaufbahn ihren blendenden Anfang genommen – hier war das Tor, durch das er ins bunte Abenteuer seines märchenhaften Daseins hinausgeschritten war.

Jetzt mußte er wieder hier durch – zurück ins ungewisse, mit bitteren Erfahrungen beladen, ohne den unbeug[pg 361]samen Glauben, ohne das feste Vertrauen auf das Glück, das Berge versetzt. Das Mißlingen war auch bei ihm in den Bereich des Möglichen gerückt, seine Bahn zum Ausgangspunkt zurückgebogen! Mußte er wieder anfangen –, wieder die Schulbank drücken, wie damals, als ihm nichts unmöglich, keine Aufgabe zu schwer erschienen war? Hatte er seine Schulaufgabe fürs Leben schlecht gelernt? Bekam er sie jetzt zur Wiederholung und zum Besserlernen zurück? Wenn er auch noch tausendmal die Kraft zum Umlernen aufbringen würde –, hätte er wohl noch den Mut, die Lust – die Zeit dazu? War’s überhaupt der Mühe wert? War nicht alles eitel – nichtig –, zum Überdruß fade?

Aus der Tiefe knallten Flintenschüsse, scharf, schneidend! Sie kamen näher.