Der Kaiser erhob sein Haupt mit einem Ruck, wie ein altes Kutschpferd, das wieder den Knall der Peitsche hört, knöpfte den grauen Überrock zu und ging mit festen Schritten den Korridor entlang, über dessen Steinfliesen die sinkende Winternachmittagssonne ihren bunten Schein goß, und ging rasch die Treppe hinunter, von seinen Adjutanten und Generalstabsoffizieren und auch von den Wachtposten gefolgt. Gleich darauf rasselten Hufschläge von Pferden übers Pflaster. Die Flintenschüsse kamen näher, Hurrarufe mischten sich hinein, Stimmengewirr und rasche Tritte auf der Treppe wurden laut.
Dann kamen bärtige Gestalten herauf, die Lammfellmütze schief auf dem einen Ohr, Piken in den Händen, die Säbel am Boden schleifend. Voran ein Offizier, neben ihm der Korporal, eine Liste in der Hand.
Der Offizier zeigte auf die Türen im langen Korridor und sprach bei jeder einen Namen aus. Der Korporal schrieb jedesmal den Namen auf die betreffende Tür.
Sie blieben an der Tür stehen, durch die Napoleon gekommen war. Die Sonne war tiefer gesunken. Ihre Strahlen fielen gerade durch das Fenster und warfen ein buntes Farbenspiel über die Aufschrift.
„Sa Majesté l’empereur!“ las der Offizier. „Ist gut! Da brauchen wir uns die Zimmer nicht erst anzusehen. Da kommt der Obergeneral hinein!“
Der Korporal ließ sein Kreidestück, das er schon im Anhieb hielt, auf den Türspiegel fallen und schrieb einen Namen hin.
„Feldmarschall Blücher“
stand da in großen Buchstaben unter der alten Aufschrift zu lesen.
Ein Wink des Offiziers, und zwei Kosaken stellten sich jetzt rechts und links von der Tür als Posten auf. Die Sonne draußen war schon halb hinter die Hügel gesunken, ihre letzten Strahlen röteten nur noch ein wenig das weißgetünchte Dach. Es dämmerte schon. Der Offizier befahl, die Kerzen in den Laternen auf den Treppenpfosten und an den Wänden anzuzünden, und ging mit seinen Leuten weiter.
Bald danach hallte das ganze Schloß von lauten Stimmen, schallendem Gelächter, Säbelgerassel und Sporenklirren wider. Die Treppe kam’s herauf, und bald waren sie da: eine Schar von Offizieren, allen voran der Feldmarschall Blücher, und mit ihm seine Adjutanten: von der Goltz, Graf Nostiz, Gneisenau und andere.