Die Wachen salutierten, die Adjutanten öffneten die Tür, alle traten ein.
Im großen Saale stand noch der Tisch gedeckt. Die Speisen waren unberührt. Bei der Eile des Aufbruchs hatte die Bedienung alles stehen- und liegenlassen, wie es war.
„Der Kaiser sorgt gut für seine Gäste!“ rief der Feldmarschall. „Zu Tisch denn! Ich habe einen mordmäßigen Hunger! Die Flaschen drüben auf der Kredenz sehen nicht übel aus. Rasch eingeschenkt! Auf unseren Gastgeber –, auf daß ihm der Deibel bald holt!“
Sie tranken.
Ein Krachen. In der Ecke des Saales barsten die Balken, Schutt und Gips flogen ringsumher. Eine Kanonenkugel hatte eingeschlagen und war durch den Boden weitergegangen.
„Er blieb uns die Antwort nicht schuldig!“ lachte Blücher. „Der Kaiser wußte, wo die Suppenschüssel stand, und war wohlerzogen genug, uns nicht hineinzuspucken! Prost Mahlzeit, meine Herren! Der Wein ist gut! Kümmert euch nicht um den Schutt!“ rief er den Ordonnanzen zu, die sich gleich daranmachten, aufzuräumen. „Das Haus gehört uns nicht. Wir brauchen’s nicht zu reparieren!
Laßt es euch gut schmecken, Kinder! Hoffentlich haben’s unsere Pferde auch nach Wunsch?“
Der Adjutant, Graf Nostiz, gab zur Antwort, für die Pferde wäre bestens gesorgt.
Er hatte auch alles angeordnet, aber in seiner eigenen Weise, indem er sie nicht in die Stallungen, sondern nur um die Ecke des Schlosses führen und dort gesattelt bereithalten ließ. Denn ihm schien es hier noch nicht ganz geheuer und auch nicht sicher, daß Brienne endgültig in der Hand der Deutschen bliebe und nicht noch von den Franzosen durch einen Handstreich wiedergewonnen werden konnte. Zum mindesten fand er es verfrüht, schon jetzt das Hauptquartier hineinzuverlegen, ehe die Truppen das Glacis fest in der Hand hatten. Aber das Ungestüm des Feldmarschalls war nimmer zu bändigen.
Nostiz ging mit dem Grafen Goltz auf die Terrasse hinaus, blickte in die Dämmerung hinein und dankte gleich dem Himmel, daß er so fürsorglich alles angeordnet hatte. Denn kaum war er draußen, so pfiffen ihm schon die Flintenkugeln um die Ohren, und die Scheiben in den Glastüren gingen klingend in Scherben. Kein Zweifel, der Kaiser war nicht gesonnen, Feinde hier mitten unter seinen Jugenderinnerungen hausen zu lassen.